Grundidee
Beim Gletscherprojekt in Furtwangen wird die Idee praktisch umgesetzt, mit einfachen Mitteln und vor allem mit geringem Energieaufwand, aus vorhandenen Wasserquellen mittels Sprinklern natürlich Eis zu produzieren. Die produktive Speicherung von Wasser in Form von Eis ist in Zeiten einer rapiden Eisschmelze eine wichtige Maßnahme zur Sicherung der Süßwasserreserven. Damit trägt sie zur Sicherung des Trinkwassers bei und erhält die Möglichkeit zur Gewinnung von Energie mit Wasserkraft. Außerdem unterstützt das Gletscherprojekt den Erhalt von wasserabhängigen Lebensgrundlagen in der Natur.
Bedingungen
Entscheidend für die Entstehung eines Gletschers ist neben der ausreichenden Kälte(summe) die passende Menge an Niederschlag. Auf den ersten Blick käme die Bildung von Eis in größeren Mengen nur in alpinem Gelände in Höhen jenseits von 2500 Metern in Frage. Das Gletscherprojekt in Furtwangen macht jedoch deutlich, dass die Bildung eines Gletschers auch in wesentlich geringeren Höhen möglich ist. Nach Kenntnis der Wetterdaten reicht daher das 885m hoch gelegene Testgelände am Gaisberg im Bregtal aus. Damit soll hervorgehoben werden, dass auch bei einer erwarteten Klimaerwärmung von 3-4°Celsius die Bildung von Eis und damit die Speicherung von Süßwasser möglich ist.
Vorzüge
Das Gletscherprojekt schafft demzufolge selbst in Zeiten der Klimaerwärmung die Voraussetzung, Wasser in größerem Stil zu Eis zu formen und zu speichern. Damit trägt es zum Erhalt eines ausgeglichenen Wasserhaushaltes bei. In der weiteren Folge kann so einem rapiden Abfluss von Süßwasser Einhalt geboten werden, selbst wenn nur ein Teil des Schmelzwassers aufgefangen und beispielsweise nachts bei Minusgraden zu Eis gebunden wird. Außerdem ist es denkbar, dass eine menschlich geförderte, naturnahe Eisbildung an exponierten Stellen dem Auftauen von Permafrostboden Einhalt gebietet. Somit erhalten hochgelegene Bergdörfer Schutz vor Felsstürzen. Mit einer flächigen Eisherstellung eröffnet das Gletscherprojekt die Möglichkeit in auftauenden Permafrostgebieten eine schützende Eisschicht zu bilden und damit zum Beispiel das unkontrollierte Austreten von Methangas zu verhindern.
Das Experiment
Das im Winter 2008/09 begonnene, erste Eis-Experiment, bei dem auf ca. 1000m² bis zu zwei Meter Eis gebildet und 2000m³ Wasser gespeichert wurden, wird nun im Folgewinter 2009/10 fortgesetzt und ausgeweitet. Zusätzlich zum ersten Testfeld wird auf einer darunter liegenden Wiesenfläche ein zweites Eisfeld aufgebaut, welches bei mindestens 100 Frosttagen und mit zuverlässiger Wasserquelle mehrere Meter dickes Eis entstehen lässt. Während des Experimentes zeichnet eine Wetterstation alle notwendigen Daten auf, die anschließend zusammen mit der Eisbildung ausgewertet werden.
Medien
Wie im letzten Jahr, zeichnet eine Webcam den aktuellen Stand der Eisbildung auf und gewährt mit den aktuellen Wetterdaten Einblicke in die Bedingungen vor Ort. Unter http://www.gletscherprojekt.de gibt es zudem laufend aktuelle Berichte und Hinweise auf externe Medienbeiträge.
Kontakt:
Prof. Dr. Eduard Heindl, Rohrbacher Straße 6, 78120 Furtwangen, http://www.gletscherprojekt.de