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Sammlung: "Aktuelles Bild aus Dresden"
 

Ganz schön verwettert – dieser Sommer

25. September 2010

Man könnte meinen, dass Wetter macht jetzt was es will, nachdem Jörg Kachelmann von der Bildfläche verschwunden ist.

So war dieser Sommer wettertechnisch hochinteressant, jedoch teils auch sehr tragisch aufgrund einer Vielzahl an damit einhergehenden Naturkatastrophen.
Und dieses ungewohnte Wetter traf auch Deutschland. So kam es im Mai 2010 zu einem schweren Tornado in Nordsachsen auf einer Länge von fast hundert Kilometern. Dieser hinterließ teils schwerste Verwüstungen – ja, es wurden leider sogar ganze Häuser vom Winde verweht. Die dazugehörigen Bilder lassen es unglaublich erscheinen, welche Macht der Wind entfalten kann.
Insgesamt war dieser Frühsommer in Mitteleuropa allerdings ein eher unterkühlter und nasser. Dies änderte sich Ende Juni abrupt. Eine Hitzewelle, welche einige Sendeanstalten sogleich zu Sondersendungen anregte, um den großen Hitzesommer auszurufen, überkam Deutschland. Ja – es war heiß – aber letztlich nicht wirklich extrem lange, wie beispielsweise 2003. Die Temperaturen erreichten in den heißen Wochen teils 40°C, doch viele Menschen werden den Sommer trotz Rekordhöchsttemperaturen als verregnet in Erinnerung behalten. Der Grund dürfte der nachfolgende deutlich zu nasse August sein. Doch wer meint, die Hitzeblase über Deutschland sei Ende Juli geplatzt, der irrt. Stattdessen wanderte diese weiter nach Russland, um dort zu Höchsttouren aufzulaufen. Dies hat Russland eine Hitzewelle beschert, welche alles bisher dagewesene (zumindest der letzten 1000 Jahre) überstieg. Wochenlange Temperaturen weit über 30°C blieben natürlich nicht ohne Folgen – normal sind in Moskau im übrigen ca. zwei bis vier Tage mit Temperaturen über 30°C im Sommer, doch diesmal waren es gleich 40 Tage in Folge! Dies stellt die Ursache für das Ausbrechen der vielen Wald- und Torfbrände in dieser Region dar, sodass teils in Moskau durch den Rauch die Sichtweite auf um die 50 Meter zurückging.

Doch musste unter dieser speziellen Wetterlage noch ganz andere Regionen leiden, wovon im ersten Moment gar nicht auszugehen ist.
Nach Russland wurde in diesem Sommer sehr heiße Luft herangeführt, welche dort zum Erliegen kam. Demzufolge sah die Temperaturverteilung über Europa und Asien einem Omega sehr ähnlich. Westlich und östlich dieser Heißluftblase nahm die Temperatur teilweise auf engstem Raum ab, was sich in teils extremen Starkniederschlägen entlud. Westlich dieser heißen Luft befindet sich Europa, östlich davon Pakistan und China. Dies heißt, dass beide so weit von einander entfernte Regionen eine ähnliche Wetterlage heimsuchte. Pakistan musste dabei leider die schlimmsten Konsequenzen ertragen – ein Drittel des gesamten Landes stand unter Wasser. Ein unfassbare Katastrophe. Daneben traf es auch das nordwestliche und westliche China teils schwer.
Doch auch Europa bekam die Folgen dieser ungewöhnlichen Wetterlage zu spüren. So zum Beispiel auch Sachsen zu Beginn des Augusts. Innerhalb von Stunden stiegen kleine Bäche zu reißenden Strömen an und verursachten beispielsweise in Görlitz Rekordpegelstände.

Es wäre möglich, diese Aufzählung ungewöhnlicher Wetterereignisse des Sommers 2010 noch weit fortzusetzen...
Nun habe ich schon viele theoretische Erklärungen für den Zusammenhang dieser Wetterphänomene versucht zu geben – wer jetzt der vielen Beschreibungen noch nicht überdrüssig ist ;-) , dem stellt sich vielleicht die Frage, wieso sich überhaupt so eine ungewöhnliche Wettersituation dieses Jahr eingestellt hat...

Ist es eine Folge des Klimawandels oder einfach nur eine Folge unglücklicher Verkettungen?

Diese Frage ist auf jeden Fall nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten.
Doch trat in diesem Jahr wieder ein besonderes Ereignis im Pazifik ein – das El-Nino-Phänomen mit der anschließenden El Nina.
Dies stellt ein unregelmäßig auftretendes Phänomen der Meeresströmung im äquatorialen Pazifik dar. Hierbei erwärmt sich das Wasser an der Westküste Südamerikas drastisch, da die kalte Strömung aus der Tiefe, der Humboldtstrom, zum Erliegen kommt. Dieses Ereignis tritt aller zwei bis sieben Jahr im Winter auf. Die Folge ist, dass sich entsprechend auch die Temperaturverhältnisse über dem Wasser verändern, was große Auswirkungen auf das Wetter in Südamerika und Ozeanien hat. So ändert sich auch die Niederschlagsverteilung, was wiederum einen Einfluss auf den Monsun hat.
Ob nun dieses Ereignis bis nach Europa und Asien Auswirkungen zeigt, ist stark umstritten, doch sind die Wetterverhältnisse in diesen El-Nino-Jahren immer recht besonders, weshalb durchaus von einem Miteinfluss ausgegangen werden kann. Die global ansteigenden Temperaturen können des Weiteren ebenfalls einen Einfluss auf vermehrte Extremewetteraktivitäten haben.

Letztlich ist das Wetter und das Klima jedoch immer noch viel zu kompliziert, um wirkliche klare Ursachen zu benennen.
Demzufolge helfen nur weitere Beobachtungen und Untersuchungen, um diese Wetterphänomene einordnen zu können.

Damit beende ich diesen diesmal recht theoriereichen Beitrag in der Hoffnung, dass sich das Wetter in nächster Zeit nicht weiter so verwettert benimmt...