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Shop til you drop! - Der größte Konsumtempel der Welt, ein Besuch auf den Osterinseln und U-Boote im Preiskrieg

7.August 2009

Die Seelöwen-Show begeistert mich nicht wirklich, dafür drei U-Boote, die einsatzbereit im künstlichen See ankern, um bei Bedarf im Preiskrieg der sechs großen Kaufhäuser innerhalb der Mall eingesetzt zu werden. Ich werde jedoch enttäuscht, als ich ein paar friedliche Touristen einsteigen sehe, die auf Vergnügungsfahrt gehen.

„Wir wohnen im Hotel direkt an der Mall und haben drei Tage hier verbracht. Es gibt einfach soviel zu sehen und zu kaufen.“, gibt ein glückliches Paar mit Hündchen zu Protokoll.

Ich befinde mich in der West Edmonton Mall in (wer hätte das gedacht?) Edmonton, der Provinzhauptstadt von Alberta in Westkanada . 23 Jahre lang, von 1981 bis 2004, war sie das größte Einkaufszentrum der Welt. Irgendwo, ich glaube in Dubai, haben sie noch ein größeres Monster aus dem Boden gestampft. Heute ist sie mit 350.000 m² Verkaufsfläche Nummer sechs in der Welt; die komplette Fläche des Komplexes beträgt allerdings 492.000m². Auf ihre Gesamtfläche bezogen ist die Mall also immer noch die größte ihrer Art.

Das Monstrum beherbergt 800 Geschäfte, 27 Kinosäle , einen Freizeitpark namens Galaxyland, ein Spaßbad, ein Aquarium, ein Eishockeyfeld, einen künstlichen See und mehr als 110 Restaurants. Für die 22 Millionen Besucher pro Jahr steht der größte Parkplatz der Welt, mit über 20.000 Stellplätzen zur Verfügung.

Da gerät man doch ins Grübeln. Braucht das wirklich jemand? Anscheinend ja!

Denn unser System basiert auf Konsum. Ohne den steigenden Verbrauch gibt es kein Wirtschaftswachstum, keine Arbeitsplätze. Man kann seinen Wohlstand nicht mehren. Er wird bemessen an Statussymbolen und am Kontostand. Viele Produkte werden nicht nach Qualität oder Haltbarkeit entworfen, sondern einzig nach Kriterien von Herstellungskosten und maximaler Gewinnspanne. Der Mensch unterwirft sich dem Markt. Er beutet sich bewusst und unbewusst gegenseitig aus, im Bestreben seinen Wohlstand zu mehren. Er will sparen. Er will mehren.

Es beginnt in den Köpfen. Ein Wertewandel?

Ein lineares System kann nicht endlos betrieben werden. Unser System ist einzig auf Profit aus und es fußt auf der (un)möglichen Annahme von unendlichem Wachstum. Permanentes Wachstum ist krankhaft und frisst uns langfristig selbst auf. In den letzten drei Jahrzehnten wurde ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen verbraucht. Unseren Giftmüll exportieren wir nach Afrika. Die Umweltzerstörung ist irreparabel. Wenn wir unseren extravaganten Lebensstil weiter fortführen, dann wird bald nicht mehr viel zu konsumieren sein. Bei unserem jetzigen Verbrauch, hat ein Wissenschaftler berechnet, bräuchten wir fünf Planeten, um unseren Verbrauch zu pflegen. Können wir das ändern?

Ich glaube, wir können. Die Frage ist, ob die politisch und wirtschaftlich schwer-fälligen Strukturen wie Regierungen oder Konzerne in der Lage sind, einen Wandel zu hervorzurufen, zu unterstützen oder ob sie dem nicht abgeneigt sind, nach eigenen Regeln arbeiten und Gründe haben lieber heute den großen Reibach machen, als langfristig stabile Gewinne zu erwirtschaften.

Es gibt herausragende Beispiele, aber generell zeichnet sich ein eher negatives Bild.

Vielleicht geht es von jedem Einzelnen aus. Wir müssen uns für einen Weg entscheiden. Jeder kann zur Veränderung beitragen. Wir können fordern und geben, verzichten und gewinnen.

Irgendjemand wird schon Irgendwas erfinden. War doch bis jetzt auch immer so. Also: Weiter so.

Studien zeigen, dass die negative Tendenz auch bei energischem Umsetzen von Umweltschutz- und Effizienzstandards oft nur abgemildert werden kann. Erst die Simulation einer überaus ambitionierten Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergibt eine nachhaltige Gesellschaft bei knapp 8 Mrd. Menschen.

Eine Studie von 2004 geht auch auf die Entwicklung von 1972 bis 2002 ein und beschreibt unter anderem eine Zunahme des sozialen Gefälles (20 % der Erdbevölkerung verfügten über 85 % des globalen BIP), die Bodenqualität (40 % der Ackerflächen würden übernutzt), Überfischung (75 % der Fischbestände seien bereits abgefischt) und (wie bereits 1972) die Erschöpfung fossiler Rohstoffe stehe in wenigen Jahrzehnten bevor. Die Autoren nehmen an, dass die Kapazität der Erde, Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren (siehe ökologischer Fußabdruck) bereits im Jahr 1980 überschritten worden sei und weiterhin überschritten werde (im Jahr 2004 schon um ca. 20 %).

Das Millennium Ecosystem Assessment ergab, dass von 24 Schlüssel-Ökosystemen 15 übernutzt werden, was einer Quote von 60% entspricht. Bei einigen Systemen zeigten sich die Folgen bereits, bei anderen würde die Funktionsfähigkeit unter andauerndem Stress in Zukunft nachlassen, so die Schlussfolgerungen der Studie.

Aus dem Brundtland-Bericht 1987: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."

Dazu eine kurze Geschichte. Vor vielen tausend Jahren kamen Siedler aus dem Ozeanisch-Pazifischen Raum auf die grünen und bewaldeten Osterinseln. Dort entstand im Laufe der Jahre ein reiche und hoch entwickelte Zivilisation. Die Wälder der Inseln wurden schnell abgeholzt, Häuser gebaut und Feuer gemacht.

Eines Tages war der letzte Baum gefällt. Auf den Inseln brach Chaos aus. Für die Feuer wurden Boote und Häuser verbrannt. Es gab kein Entkommen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Kannibalismus auf den Inseln.Heute sehen wir die Relikte dieser untergegangenen Hochkultur: Die massiven Steinernen Köpfe aus einer verlorenen Zeit. Ich möchte hier nicht den "Teufel an die Mauer malen", aber es zeigt doch, dass, wer mit den begrenzten Ressourcen nicht verantwortungsvoll umgeht, langfristig den Kürzeren zieht

Uns geht es gut. Wir leben in Wohlstand. Dennoch wollen wir mehr. Viele sind unzufrieden und suchen Ablenkung im Fernsehen, im Sport, im Feiern. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir vor uns hin leben, ohne Dinge wert zu schätzen, die wir haben. Das Träumen und Streben ist ein wichtiger Antrieb. Aber:

Wir müssen uns fragen: Brauchen wir alles was wir wollen?

Ist es sinnvoll? Ist es richtig für mich? Oder ist es Ablenkung?

Alles so schön billig hier! Ist das nicht toll, was manche Produkte nur noch kosten? In Billigläden und Discountern liegen tonnenweise Waren herum, die überall produziert, zusammengenäht, verschweißt und verfrachtet wurden - nur nicht in unserer Nähe. Und genau hier liegt das Problem.

Können wir mit ein paar Euro alles bezahlen? Die Rohstoffgewinnung, die Herstellung, den Vertrieb - bis hin zum Kassierer, der das Zeug über den Scanner zieht? Wer bezahlt wirklich? Für die Umweltverschmutzung, die Löhne der beteiligten Arbeitskräfte - und auch für die Entsorgung?

Vielleicht steigen wir am Schluss in die gelben U-Boote der Mall, ziehen in den letzten Preiskrieg und fragen uns, ob wir wieder auftauchen werden.

Umdenken möglich?

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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