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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Auf den Spuren der Grizzlybären – Grizzlytour Tag 6

Die Lichtstimmungen am Morgen sind so genial, dass unsere Drohnen ununterbrochen ihre Bahnen ziehen, um die Naturschutzgebiete zu kartieren und Panoramabilder zu erstellen. Und dann beobachten wir Adler beim Lachsfressen. Fabian, unser Biologe und Fotograf, macht dabei geniale Bilder von einem jungen Adler, der einen toten Lachs zerlegt.
Über Nacht hat es geregnet, und so ist deutlich mehr Wasser im Fluss. Nun kann man die Lachse auch in Vielzahl sehen. Es dämmert uns: erst langsam beginnt der Lachslauf ins Rollen zu kommen – wir sind zu früh dran. Den ganzen August gab es null Regen und so warten die Lachse im Meer bis die Pegel im Fluss steigen und die Sauerstoffsättigung des Wassers für die Lachsbrut zunimmt. Aber das kann man leider nie so wirklich im Vorfeld wissen, wann genau die Lachse die Flüsse hochziehen. Egal, wir sind trotzdem von der Natur und den Erlebnissen hier total begeistert und brauchen immer wieder einige Zeit um zu realisieren, dass dies alles hier wirklich real ist. Denn manchmal, wenn die Adler über die gigantischen Bäume kreisen und man am Fluss sitzt, vollkommen abseits von allem Menschengemachten, dann fragt man sich schon, ob es überhaupt so schön und wild sein kann? Gibt es solche Plätze auf der Erde noch? Es existiert wahrscheinlich nur eine Hand voll Leute auf dieser Erde, die diese wilde Natur erlebt hat, und wir fühlen uns geehrt und unglaublich glücklich, Teil davon sein zu dürfen.
Wir ziehen unsere Wandersachen an und begeben uns bei dem Wetter, welches dem Regenwald seinen Namen gibt, in den Wald. Unser Ziel: eine weitere Sandbank, welche weiter oben im Tal im Land der Grizzlies liegt. Auf dem Weg pausieren wir am Traumzauberbaum, einem ca. 700 Jahre alten Ahornbaum, der über und über mit dicken Moosmatten bewachsen ist. Keiner sagt etwas, alle stehen nur staunend da. „Das ist gewaltig, mit so etwas Beeindruckendem hätte ich nicht gerechnet!“, sagt Erik, während er mit dem Kopf im Nacken versucht die Baumkrone auszumachen, aber diese ist nicht sichtbar. Unter dem riesigen Ahorn schauen uns zwei Eingänge zu einer weinverzweigten Wolfshöhle an.
Auf einem Tierpfad entlang laufen wir zur Sandbank. Auf dem Weg dahin schlagen wir uns durch das Dickicht des Regenwaldes, vorbei an Kratzspuren und Schlafplätzen von Bären. Wieder einmal wird uns klar: Wir laufen durch das Wohnzimmer der Bären. Wir sind nur Gäste. Und so verhalten wir uns auch.
Auf der Sandbank angekommen erhoffen wir uns endlich einen Bären zu sehen, aber wieder nix. Wir sind wirklich zu früh dran. Ganz wollen wir die Hoffnung noch nicht aufgeben, aber die Chancen schwinden von Minute zu Minute. Trotzdem sind alle total begeistert von dieser einzigartigen Natur. Nach einer Pause läuft ein Teil wieder zurück durch den Wald, während Kai und Fabian mit einem Schlauchboot den Little Toba hinunter zu unserem Camp fahren. Überall sieht man bei der Flussfahrt große, dunkle, sich bewegende Flecken. Dies sind hunderte Lachse, die den Little Toba zum Laichen hinaufwandern. Wir sind Zeugen des einmaligen Lebenszyklus’ der Lachse.
Schon bricht unser letzter Abend im Tobatal an, und wir sitzen gemeinsam ums Lagerfeuer. Wir reden über das Erlebte und es bleibt bei allen hängen: Wir sind nicht irgendwo. Wir sind fernab jeglicher Zivilisation, in einem Wildnisgebiet, das wir für kommende Generationen schützen wollen. So etwas wie hier gibt es nicht überall. Und wenn man sich die im Licht der untergehenden Sonne seicht schwingenden Flechten an den riesigen Bäumen anschaut, so wird einem bewusst, dass hier wirklich wilde Natur ist, echte Wildnis, die wir kaum noch haben auf dieser Erde.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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