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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Besucher aus der Tiefsee

Der letzte Abschnitt der Expedition sollte dazu dienen, die Unterwasserwelt der Riffe an der Westküste Vancouver Islands zu erkunden. Mit Peter Mieras und seiner Frau Kathy Johnson ging es per Boot hinaus zu exponierteren Stellen der bezaubernden Inselwelt des Barkley Sounds. Seit neun Jahren betreibt Peter mit seiner Frau Kathy Johnson die Tauchbasis „Rendezvous Dive Adventures“. Ein toller Partner, denn er weiß sehr genau, welche Besonderheiten an den verschiedenen Stellen zu finden sind und wie man sie am besten betaucht. Die ausgeprägten Kenntnisse über die hier vorkommenden Lebewesen und die Möglichkeiten diese ständig in Ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, machen Peter auch für die Wissenschaft sehr interessant. So steht Peter unter anderem in engem Kontakt zu Dr. Robert Dunbrack von der Memorial University of Newfoundland. Dabei geht es um ein sehr interessantes Phänomen: In den Monaten von Juli bis September kommt es hier zu vermehrten Sichtungen von Sechskiemen-Haien. Sechskiemen Haie leben eigentlich in der Tiefsee, in Tiefen von über 2000 Metern. Doch aus irgendwelchen Gründen kommen die urtümlichen Tiere im besagten Zeitraum in flachere Gewässer. Diesem Grund ist der Wissenschaftler auf der Spur. Alle Daten, die Peter dem Wissenschaftler liefern kann, sind dazu natürlich enorm wichtig und interessant. Ich hoffe natürlich, das große Glück zu haben mit Peter und Kathy hier auf einen „Six Gill“ (engl. Six Gill Shark) zu treffen. Am zweiten Tag passiert es dann tatsächlich! Nur fünf Bootsminuten von Sudd Island, unserer Robinson Insel, entfernt! Nur kurz nach dem Abtauchen beobachte ich fasziniert drei Chimären und schaue nach Peter, um ihn darauf hinzuweisen. Dieser winkt mich jedoch aufgeregt herbei und deutet auf einen Felsen – seine rechte Hand hält er dabei senkrecht über seinen Kopf – das Zeichen für einen Hai! Und hinter dem Felsen taucht er dann auf – ein fast 3 Meter langer Sechskiemen Hai! Mit sehr ruhigen und langsamen Bewegungen zieht er dicht über dem Grund entlang. Für fast drei Minuten können wir uns dem Tier auf sehr kurze Distanz nähern. Dem Hai merkt man dabei keine Anzeichen von Nervosität an. Auch wenn die Bewegungen des Haies sehr ruhig aussahen, brauchte ich fast den halben Luftvorrat meiner Flasche auf, um mich immer wieder für einen guten (Foto-)Schuss in Position zu bringen. Bilder, die diesen unvergesslichen Moment dokumentieren, waren der Lohn dafür! Ausgewachsene Sechskiemen Haie erreichen eine Körpergröße von über fünf Metern, bei unserem Exemplar handelte es sich um ein junges Männchen, was wir an seinen schon gut entwickelten Klaspern (äusseres Geschlechtsorgan) erkennen konnten. Auch die zuvor angetroffenen Chimären sind eigentlich Bewohner größerer, für Taucher unerreichbarer, Tiefen. Auf Sie trifft man hier ebenfalls vermehrt zwischen Juli und September. Der Verdacht, dass es hier einen Zusammenhang zum Sechskiemenhai geben muss, drängt sich geradezu auf – ist aber zur Zeit in keiner Weise zu belegen! Gründe für sein Auftauchen in diesen flachen Gewässern könnte die Paarung, oder eine spezielle Konstellation der Nahrungskette sein. Ein belegbares Ergebnis steht allerdings noch aus… Auch sonst ist die Vielfalt der Lebewesen an den Riffen des Barkley Sounds überwältigend. Gerade im Makrobereich wimmelt es in den Spalten der Felsen und zwischen den Kelppflanzen nur so von Leben. Seesterne, Nacktschnecken und Anemonen entwickeln sich hier zwei Nummern größer als sonst wo auf der Welt. Auf Nacktschnecken treffen wir hier in einer unglaublichen Anzahl und Vielfalt. Ihre Größenspanne reicht hier von wenigen Millimetern bis zu den Ausmassen einer Aubergine! Die wichtigen und immer noch gut ausgeprägten Küstenzonen mit Ihren Seegraswiesen und Gezeitenzonen bilden also auch die Grundlage für eine einmalige und ebenso bezaubernde wie wundersame Welt des offenen Meeres. Es ist jetzt Mitte August und die Lachse sammeln sich vor der Küste British Columbias. Schon Mitte September werden sie die Flüsse, bis tief in den Wald hinein schwimmen. Für sie wird sich hier der Kreislauf von Leben und Tod schliessen. Für Tiere des Waldes werden sie Nahrung sein und wichtige Nährstoffe für seine Pflanzen bringen – hinauf bis zur kleinsten Flechte, auf einem der mächtigen Lebensbäume! Der Wald wird den jungen Lachsen dafür ihr Kinderzimmer bereitstellen, bevor sie Ihre unglaubliche Reise aus den klaren Flüssen zurück in den weiten Ozean antreten. Der Kreislauf und das Wunder des Lebens beginnt von vorne. Ein Wunder, das aus einer unvorstellbar komplexen Kette wichtiger, auch kleinster Elemente besteht, die wir Menschen in Ihrer Ganzheit noch lange nicht begriffen haben…

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre