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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Das grüne Paradies am Fuße des Himalayas

„Seid ruhig! Bewegt euch nicht vom Fleck!“ Ein Knacksen. Ich schaue mich nach dem nächsten Baum um. Wieder ein Knacksen. Ruhe. „Zurück, zurück!“ Eine schnelle Handbewegung. Das Knacksen wird zum Trampeln, welches den Boden vibrieren lässt. Und da stehen wir Auge in Auge, der nächste Baum weit weg. Wir und das Nashorn. Drei Sekunden, die sich anfühlen wie eine Ewigkeit. Dann bebt wieder die Erde – das Tier entscheidet sich für die Flucht. Glück für uns. Ich befinde mich in Nepal, im Land der Mythen und der dreiunddreißigmillionen Götter. In einem Land, wo die Landschaften und die Unterschiede kaum krasser sein könnten. Und ich hatte soeben meine erste Begegnung mit einem Nashorn. Es sollte nicht die letzte des Tages sein, einem Tag im Urwald Südnepals direkt an der Grenze zu Indien. Genauer sind Astrid und ich im Nationalpark Chitwan unterwegs, zusammen mit zwei erfahrenen Rangern. Sie möchten uns den Ort zeigen, an dem sie groß geworden sind. Gleich zu Beginn ist bemerkbar, wie tief Ram mit dem Gebiet verwurzelt ist:
„Ganz egal, welcher Religion und welchem Land Du angehörst, wirklich wichtig ist für uns alle folgendes – unsere Natur mit ihren Pflanzen und Tieren zu schätzen und zu schützen, denn wir sind abhängiger von ihr, als manch einer denkt“
Es ist eine Gruppe von Freunden, welche ein kleines Unternehmen gegründet hat, um Touristen auf naturverträgliche Weise dieses Gebiet zu zeigen. Wohin intensiver Tourismus führen kann, zeigen bereits viele Länder der Erde. Doch Nepal ist bisher vom diesem Boom nur sehr partiell betroffen. Es gibt diese Orte, wo Ketten von Fremden durch die Landschaft wandern – zum Beispiel auf dem Weg zum Everest Base Camp. Doch diese Zentren beschränken sich auf eine geringe Anzahl. Aber die Frage ist: Wie sieht es hier in zehn Jahren aus? Wie verändert der Tourismus die Menschen und die Landschaft? Bijay, Chef des kleinen Guide-Unternehmens, drückt es drastisch aus: „Der Tourismus bringt uns viel, doch zerstört er auch viel – denn er bringt die Gier ins Land!“ Gemeint ist die Gier nach „Mehr“, die Gier nach Reichtum, welche die Menschen verändert. Was Bijay bemerkt, wird auch für mich als Reisender in manchen Fällen bemerkbar. Befindet man sich in den touristischen Zentren, so kommen Nepalesen oft nur auf uns zu, um etwas zu verkaufen. Sie sehen Fremde als Geldgeber. Und dies ist mehr als verständlich – wer würde nicht so handeln, wenn das Einkommen extrem niedrig ist, doch eine ganze Familie ernähert werden muss? Hier von den Einwohnern ein negatives Bild zu zeichnen wäre nicht fair. Hinzu kommt, dass sich für mich persönlich diese Gier nicht wirklich oft zeigt. Aus anderen Ländern habe ich bereits ganz andere Geschichten gehört, doch in Nepal ist es bis heute die Freundlichkeit, die dieses Land ausmacht. Und das trotz der Armut in diesem Entwicklungsland. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die Nepalesen diese Freundlichkeit erhalten und nicht eine zu große Gier die Überhand gewinnt. Die Aufgeschlossenheit ist auch sehr bei Bijay und Ram zu spüren, die uns nach der ersten Begegnung mit einem Nashorn tiefer und tiefer in den Urwald hineinführen. Es handelt sich hierbei um ein Vorzeigeprojekt im südlichen Nepal. Der Chitwan-Nationalpark besitzt eine Fläche von 932 Quadratkilometern und mit seiner Gründung im Jahr 1973 ist es der älteste Park des Landes. Doch das mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörende Gebiet war einst in großer Gefahr. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde extreme Wilderei betrieben. Daneben kam es zu massiven Rodungen mithilfe der Chemikalie DDT, um so landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu schaffen. Die Unterschutzstellung kam fast zu spät, doch sind die Erfolge heute groß. Mit einem Ökotourismus-Konzept konnten zum einen Flora und Faune wachsen, zum anderen beschert der Fremdenverkehr den Einwohnern eine gute Einnahmequelle. Die einst von der Ausrottung bedrohten Panzernashörner erreichten eine stabile Population. Vor der Unterschutzstellung wurden lediglich 95 Tiere gezählt, mittlerweile sind es über 500 Nashörner. Und dies ist auch der Grund dafür, dass unsere erste Begegnung mit den riesigen Tieren nicht die letzte des Tages gewesen ist. Vier weitere male konnten wir das Tier beobachten – meist beim Baden in den Flüssen, welche eine Abkühlung vor der heißen und schwülen Luft bieten. Neben den Nashörnern sind es die bengalischen Tiger, welche das Gebiet berühmt machen. Von ihnen leben 225 Tiere in diesem Park. Diese eher scheuen Tiger bekamen wir jedoch nicht zu Gesicht. Nichtsdestotrotz wirkt dieser Nationalpark so reich an Lebewesen, dass es einen sprichwörtlich umhaut. Die Liste an beeindruckenden Tieren in diesem grünen Paradies ist lang: Vögel in verschiedensten Farben, Krokodille in den Flüssen, riesige Elefanten und sogar eine Kobra. Man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Leider ist der Wilderei jedoch noch immer nicht ein endgültiges Ende gesetzt wurden. Immer wieder können Wilderer unbemerkt in das Gebiet gelangen. Die Bemühungen, dagegen vorzugehen, sind allerdings groß. Zusammen mit dem WWF finden Programme statt, welche versuchen, diesen Verbrechen Einhalt zu gebieten. Es bleibt also zu hoffen, dass sich dieses Land die Ursprünglichkeit bewahrt und weiter die Natur zu schätzen weiß. Ein Geschenk, welches dieses Land reich macht. Aktuell wird das Öko-Tourismuskonzept dieses Landes sehr gut umgesetzt. Doch hängt es nicht nur an Nepal, wie die Zukunft ausschaut. Es sind die Touristen und damit wir, die viel ins Positive aber eben auch ins Negative verändern können. Es ist unsere Entscheidung, welche Tourismuskonzepte wir unterstützen – Ökotourismus oder höchst kommerziellen Massentourismus. Mehr Informationen zu den aktuellen Anstrengungen des WWF finden sich auch hier: Link zur WWF-Projektseite ChitwanTitelbild100_0564100_0529 Für alle Bilder gilt: © Josef Kaiser

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre