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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Der Weg ist das Ziel – Beginn North Coast Trail

2:00 Uhr. Regen peitscht gegen das Zelt. Sturmböen heben unsere Heringe aus. Ich liege wach. Seit vier Stunden geht das nun schon so. Werden unsere Rucksäcke draußen unter dem Tarpe trocken bleiben? Wenn unsere persönlichen Sachen komplett durchnässt sind, können wir den Trip direkt abbrechen bzw. gleich gar nicht erst starten. Es geht nicht anders. Ich muss nochmal raus. Wider Willen greife ich in der Dunkelheit nach meiner Stirnlampe und dann nach dem nächstbesten paar Wanderstiefel. Meine stehen zu weit weg und es gibt jetzt wichtigeres zu tun. Ich schlage mich gegen die Windböen, die gegen das Zelt drücken, nach draußen durch und flitze eilig zum Tarpe. Noch ist alles trocken, aber der Wind hätte die Abdeckung bald ausgehoben. Nochmal Glück gehabt. Ich befestige das Tarpe und renne flink durchnässt ins Zelt zurück. Noch lange liege ich wach und lausche bangend dem Tosen, dass sich im Zelt nur noch schlimmer anhört als es draußen ist. In den frühen Morgenstunden schlafe ich endlich ein. Der Himmel ist scheinbar genauso betrübt wie wir, dass David und Fabian nun nicht mehr dabei waren, denn es regnet auch noch die nächsten Stunden. Der Sturm hat sich aber glücklicherweise gelegt. Wegen der allgegenwärtigen Nässe und dem feinen Sand müssen wir allerdings notgedrungen unser gesamtes Equipment feucht und dreckig einpacken. Mein größter Wunsch in diesem Moment ist, dass irgendwann innerhalb der nächsten 48 Stunden die Sonne scheint, damit wir alles säubern und trocknen können. Doch jetzt geht es erst einmal offiziell mit dem North Coast Trail los für uns. 15 km liegen heute vor uns, die wir dank der letzten Tage ja allerdings schon bestens kennen. Das Gepäck drückt zwar immer noch schwer auf den Rücken, ist dank einiger Umpackaktionen und gelernter Lektionen aber insgesamt doch etwas leichter. Also heißt es ab jetzt für die nächsten Tage: Schritt an Schritt. Der Weg ist das Ziel. Über rutschige Planken schlitternd, an riesigen Pfützen über Wurzeln balancierend und durch Matsch stapfend geht es voran. Zur Mittagspause nieselt es immer noch, wir sind unter unseren Regensachen komplett verschwitzt und daher sowohl von außen als auch von innen nass. Glücklicherweise sind wir mittlerweile gut eingelaufen und die Stimmung im Team ist ungetrübt. Der alte Wald mit den dicken Stämmen der Riesenlebensbäume und Sitkafichten, die unzähligen Schattierungen von Grün und die Spuren der Bären und Wölfe sind einfach zu verzaubernd, als dass man nicht staunend, lauschend und beobachtend durch den Wald laufen könnte, Regen und Gepäck hin oder her. Außerdem wissen wir, dass sich der Weg allemal lohnt, denn unser Ziel ist wieder die Nissen Bight, ein wunderschöner Halbmond aus weißem Sandstrand. Unterwegs haben wir endlich die Gelegenheit dem besonderen Tag gerecht zu werden, der heute eigentlich ist, durch die kurze Nacht und den etwas chaotischen Morgen jedoch völlig untergegangen war – Carinas Geburtstag! Glückwunsch-Lieder trällernd wandern wir durch den Wald. Als wir nach etwa sechs Stunden endlich am Strand ankommen, könnte unser Glück nicht größer sein. Es ist erst 16 Uhr, wir haben den ersten Tag erfolgreich hinter uns gebracht und können uns jetzt ausruhen. Und vor allem: Wir sind absolut gesegnet mit Sonne pur, sodass wir alles säubern und trocknen können. Außerdem haben wir ein umfangreiches Camp aus Treibholz, das uns viele Annehmlichkeiten bietet, wie zum Beispiel Bretter für eine Küche und Holzstäbe, die wir als Tarpestangen nutzen können. Jetzt ist erst einmal Zeit für eine kleine Geburtstagsüberraschung für Carina. Dann heißt es: Wale beobachten, ausruhen und auf morgen vorbereiten. Am Abend laufe ich bei Sonnenuntergang durch den weichen Sand, während mir die umherspringenden Flohkrebse die Füße kitzeln. Was für ein Tag. – Jette

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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