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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Die indonesischen Meeresschildkröten senden SOS!

  Nachdem ich überwiegend positive Nachrichten über die Unterwasserwelt der Bucht von Tulamben überbringen konnte, möchte ich zum Abschluss meiner Berichte aus Bali nochmals auf ein ernsteres Thema hinweisen. Geschockt musste ich zur Kenntnis nehmen, dass das Abschlachten und der Handel mit Meeresschildkröten immer noch ein ernstes Problem in Indonesien darstellt. Aufmerksam wurde ich durch den Unterwasserfotografen Kurt Amsler, der sich schon vor vielen Jahren für das größte und erfolgreichste Projekt zum Schutz von Meeresschildkröten einsetzte. Die Umweltschutzorganisation ProFauna und SOS-Seaturtles verzeichneten große Erfolge und schienen durch ihren beispiellosen, unermüdlichen Einsatz dieses skrupellose und grausame Geschäft praktisch zum Erliegen gebracht zu haben. Sie retteten zig-tausend Schildkröten das Leben! Es wurden Gesetze erlassen, die das Töten und Handeln von und mit Meeresschildkröten, unter Strafe stellen. In den letzten Jahren wurden jedoch immer wieder für den Handel bestimmte Meeresschildkröten von der balinesischen Polizei konfisziert. In den jüngst aufgedeckten Fall, war ein korrupter Polizeioffizier verwickelt. „Aufgrund dieser Umstände glauben wir, dass es sich nur um die Spitze eines Eisbergs handelt“ – so die indonesische Naturschutzorganisation ProFauna. Dabei ist der Handel – und erst recht das Töten von Meeresschildkröten gesetzlich verboten und wird mit bis zu 5 Jahren Gefängnis und einer empfindlichen Geldstrafe belegt. Dabei wird auf brutalste Art und Weise mit diesen faszinierenden Tieren umgegangen. Die Schildkröten werden bei lebendigem Leib ausgeweidet. Das Betrachten von dokumentierendem Videomaterial ist fast unerträglich und herzzerreißend. Gefangen werden die Schildkröten überall in Indonesien – auch in Nationalparks wie etwa dem wundervollen Wakatobi Nationalpark. In Bali selbst gibt es zur Zeit keine nennenswerten Populationen an Meeresschildkröten – zu umfangreich waren die Massaker der Vergangenheit. Um so überraschter war ich, als mir am Wrack der Liberty eine stattliche Meeresschildkröte begegnete. In all den Jahren zuvor, hatte ich noch nie eine Meeresschildkröte in balinesischen Gewässern angetroffen. Durch Zufall stieß ich auf die Tatsache, dass die Schildkröte einer von 10 Avataren Vishnus (eine der wichtigsten Formen des göttlichen im Hinduismus) ist. Vishnu zeigt sich in Form eines Avatars, wenn die Weltordnung ins Schwanken zu geraten droht. Mit leichtem Hang zum Übersinnlichen könnte man schnell von Gänsehaut überfallen werden… Eine rationale Erklärung könnte allerdings ein anderes Phänomen sein. Der aufkommende „Schildkröten-Freilass-Tourismus“ könnte das Tier in Balis Riffe verschlagen haben. Dabei können Touristen gegen Geld eine vermeintlich gerettete Schildkröte in die Freiheit entlassen. Dafür werden die Schildkröten und ihre Eier allerdings wahllos, von irgendwo her, aus ihrem natürlichen Kreislauf genommen – also illegal gefangen, gewildert und gehandelt. Das fatale daran ist, dass seriöse Schildkröten-Schutzstationen dieses Erlebnis ebenfalls, allerdings in seriöser, biologisch sinnvoller Art und Weise, anbieten. Das damit erwirtschaftete Geld, stellt eine wichtige Einnahmequelle dieser Projekte dar. Eine seriöse Adresse auf Bali, um an einem Voluntär-Programm teilzunehmen ist die „Sea Turtle Conservation“ am Perancak Beach. Mehr Informationen findet ihr hier unter diesem Link. Am Donnerstag lest ihr hier auf dem Wildblog ein ausführliches Interview mit Kurt Amsler über seine Arbeit für den Schutz der Meeresschildkröten. Mehr Berichte und Fotos von Reinhard Mink findet ihr hier.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre