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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

„Dieser Wald hat uns alle elektrisiert“ – Interview mit Jürgen Thiele

Der „Avatar-Grove“, benannt nach dem gleichnamigen Film, an der Westküste von Vancouver Island ist eines der beeindruckendsten Urwaldgebiete der Insel. Ein paar Kilometer nördlich von Port Renfrew erstreckt sich das ca. 1 km² weite Gebiet, welches zu einem großen Teil aus Douglasien, Riesenlebensbäumen und Zedern besteht. Unsere Expeditionsgruppe besuchte das Gebiet im Rahmen ihres 11-tägigen Aufenthaltes in Westkanada. Jürgen Thiele, einer der Gründungsstifter von Wilderness International erzählt von seinen Erlebnissen im „Avatar-Wald“. Wie habt ihr denn vom „Avatar-Grove“ erfahren? Wir waren an dem Tag in Port Renfrew, an der Westküste von Vancouver Island, um uns die Botanical Beaches anzusehen und einige Videos zu drehen. Wir sind dann hinter Port Renfrew auf eine Forststraße gekommen, an der schon ausgeschildert war: Avatar-Grove. Und da fiel es Kai wie Schuppen von den Augen, und er sagte: „Da wollte ich schon immer mal hin, das hab ich schon ewig gesucht.“ Also er kannte den Namen schon, weil vor einigen Jahren schon einmal darüber berichtet wurde, wie der Wald platt gemacht werden sollte und sich Umweltschützer an die Bäume gekettet haben. Das ist in den kanadischen Medien richtig groß rausgekommen. Was war dein erster Gedanke im Wald? Von der ersten Sekunde an hat uns das alle elektrisiert, wir haben alle richtig Gänsehaut gehabt. Selbst Kai, der schon richtig viel an der Westküste gesehen und erlebt hat, meinte nur die ganze Zeit: „Das ist krass, das hab ich noch nie erlebt, ich geh fest!“ Es gibt da so einen kleinen Pfad, der sehr steil am Berg hochgeht und wir waren alle sprachlos als wir da in den Wald reinkamen. Habt ihr denn im Wald dann auch andere Leute oder Umweltschützer getroffen? Ja, uns kam dann ein junges Pärchen aus Campbell River entgegen, und wir haben uns darüber ausgetauscht, was wir denn so machen. Es stellte sich dann heraus, dass sie Biologin war und mit dem Waldstück und der Geschichte drumherum sehr vertraut war, so dass sie also auch von unseren Aktionen hell auf begeistert war. Sie hat uns dann noch einiges über den Wald erzählt, in dem auch Bäume stehen, die bis an die 2000 Jahre alt sind. Einer größer als der andere. Auf den Bildern erkennt man ja, dass einige Bäume sehr knorpelig sind und viele Auswüchse haben. Sind diese eigentlich schädlich für die Bäume? Das war auch noch einer der Höhepunkte: dieser riesige, knorpelige Baum auf einer kleinen Anhöhe. Man nennt diese Auswüchse auch Baumkrebs, eine Art Pilz die die Rinde des Baumes befällt, aber große Bäume können mit dieser Infektion noch viele, viele Jahre weiterleben. Solche Waldgebiete sind ja auch immer für uns von Wilderness International spannend als neue Naturschutzgebiete, weißt du ob das Gebiet noch zum Verkauf steht? Also wie sich Kai mit den beiden unterhalten hat, stellte sich heraus, dass es möglich sein muss. Das Gebiet, sowie auch die umliegenden schon abgeholzten Gebiete, gehört im Moment jedoch noch der Teal Jones Group, einem Forstkonzern auf Vancouver Island. Man muss sich aber auch immer vor Augen führen, dass solche riesigen Bäumen einen unglaublichen Wert tragen und das ca. 1 km² große Gebiet somit einen riesigen finanziellen Wert besitzt. Also alleine kann man das nicht bewältigen, aber es gibt ja da auch zum Glück viele andere Umweltschützer in Kanada. Wie nah sind die Kahlschläge schon an den Wald heran gerückt? Wir sind dann keine 5 Minuten gefahren und haben noch einmal ein paar Videos gedreht und Fotos gemacht, wo sie diese riesigen Douglasien und Riesenlebensbäumen allesamt gefällt haben in den letzten 4-5 Jahren. Also das war an diesem Nachmittag wirklich eine Achterbahnfahrt, wenn man innerhalb von einer Stunde von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt ist, das war ein wirklich krasses Programm. Da hatte ich auch echt mit mir zu kämpfen, weil ich so etwas in dieser Dimension noch nie gesehen habe. Wir waren uns da alle einig, dass es das ist, wofür alle arbeiten, wo wir unsere Kraft reinstecken und was wir den Leuten da draußen zeigen wollen. Was war denn dein persönliches Fazit der 11-tägigen Reise? Für mich war das wichtigste Ereignis dieser Reise, dass der Zweck unserer Organisation Wildnisgebiete für zukünftige Generationen zu erhalten 1:1 umgesetzt wird. Das die Spendengelder genau dafür ausgegeben werden wofür sich tausende von Schüler/innen bei den Wildnisläufen „Walk for the Wild“ Jahr für Jahr engagieren. Dies authentisch zu erleben war für mich ein ganz, ganz wichtiger Moment.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre