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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Ein Bär im Lager! (Archiv, Expedition 2008)

Ausschlafen! Die Letzten schälen sich erst gegen zehn Uhr aus ihren Schlafsäcken. Bei einem Frühstück unter der Regenplane stärken wir uns erst einmal mit leckeren Pancakes (Pfannkuchen). Die Temperatur ist stark abgefallen und es nieselt, aber das tut der guten Stimmung keinen Abbruch.Außerdem gibt es einiges zu tun: Unsere Schlauchboote müssen aufgepumpt, das Gepäck klug aufgeteilt werden, und ein paar von uns steigen tapfer zur Morgentoilette in den eiskalten Fluss. Plötzlich ein Schrei:“Grizzly bear!“ Hans hat einen Bären entdeckt, der zielstrebig auf unser Camp zuläuft. Panik bricht aus. Die Guides schnappen sich sofort die Shotgun und ihr Bärenspray und laufen dem Bären entgegen. Jaksun zündet einen Bearbanger, eine Art Silvesterböller – zum Glück erschrickt der Bär und macht sofort kehrt. Erleichtert beobachten wir, wie das Tier sich immer weiter entfernt. Als wir später die Tatzenabdrücke im Camp finden, wird uns allen klar, mit was für einem kräftigen Bären wir es gerade zu tun hatten. Unsere Wildnisführer sind ebenfalls ziemlich beeindruckt und sagen, dass sie noch nie einen derart großen Grizzly gesehen haben. Als wir uns von diesem Schreck erholt haben, verstehen wir, warum der Bär so nah an unser Camp herangekommen ist. Nicht weit von unseren Zelten entfernt liegt das blutende Karibu, das Jonas gestern vom Wasserflugzeug aus bei der Flucht vor einem Wolf beobachtet hat. Bären haben eine außergewöhnlich gute Nase – das ist auch der Grund, warum wir nichts Essbares, keine Zahnpasta und kein Deo in unseren Zelten haben dürfen. Unsere Guides rufen uns zur großen Besprechung, und wir lernen, dass wir so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann, wenn ein Bär in der Nähe ist. Rennen und Schreien sind in Anwesenheit eines Bären absolut nicht ratsam. Von nun an entfernt sich keiner mehr leichtfertig von der Gruppe. Am Nachmittag überqueren wir die weite Ebene und wandern zu einem Berg an den Duo Lakes. Wir halten immer wieder an, um die korallenartigen Flechten, die den Boden wie eine große weiche Bettdecke überziehen, zu betrachten. Die grazilen symbolischen Systeme aus Algen und Pilzen stellen die Hauptnahrungsquelle der Karbids dar. Es ist arktischer Sommer, und so blüht hier nahezu jede Pflanze. Oben auf dem Berg entlohnt uns der Ausblick für den anstrengenden Aufstieg. So weit das Auge reicht, sehen wir nichts mehr, was von Menschenhand geschaffen ist. Innerhalb von 500 Kilometern Entfernung gibt es keinen Menschen, kein Auto, kein Haus. Schweigend blicken wir hinab in das weite Tal. Josef studiert den Zug der Wolken, die direkt an uns vorüber zu schweben scheinen. Nichts stört die Stille. Joanne, eine der Gwich’in Elders, erzählt uns etwas über die traditionelle Verwendung von Wildpflanzen. Wir könnten ihr ewig zuhören, doch irgendwann wird es Zeit, umzukehren. Karl, 17 Jahre Lecker Mittagessen! – Grizzlybär mit Lachs

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre