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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Ein erlebnisreicher Kurztrip

Pia und Tobias Unser erlebnisreicher Kurztrip kommt dadurch zustande, dass Tobi mit tennisballgroßen Augen um einen kanadischen Truck schleicht („I’d really like to drive in one!“). Kurz darauf befinden wir uns, dank Ryes Engagement, auf dem Beifahrersitz neben Dave, einem Einheimischen, der uns bei unserer Projektarbeit helfen möchte und uns Logginggebiete in der Umgebung zeigt. Der abendliche Ausflug beginnt (neben einem „Row“ von Tobis Seite) mit kanadischer Baumkunde: Dave erzählt, dass hier im Wald hauptsächlich die Douglasie, die Hemlocktanne und der Riesenlebensbaum wachsen und erklärt uns, wie man sie voneinander unterscheiden kann. Wir fahren über die Loggingroad – einen flach ansteigenden Schotterweg, von welchem aus wir eine wunderschöne Sicht auf den Kings Peak haben, aber leider auch auf die sehr deutlich sichtbaren Folgen der Entwaldung: Der Boden ist abgetragen, die abgeholzten Flächen sind nur mit Douglasien aufgeforstet, weil sie schnell wachsen und wie ein Maisfeld bewirtschaftet werden können; sprich: nach 50 Jahren kommt der Säge-Roboter und schlägt die Baumplantage kahl. Die Baumspitzen sind abgestorben, da die Bäume nicht mehr genügend Nährstoffe haben. Am meisten schockieren uns riesige Holzhaufen, die aussehen, als wären sie für Hexenfeuer arrangiert worden – für sehr viele Hexenfeuer. Unsere Spekulationen entsprechen leider nicht der Wahrheit – Dave erklärt, dass dies die „Reste“ des letzten Kahlschlags sind. Für die Loggingcompanies hat es sich vom Aufwand her nicht gelohnt, die Äste abzutransportieren, weshalb sie jetzt hier herumliegen. Es ist verboten, sie mitzunehmen, weil sie noch immer den Loggingcompanies gehören. Dave flucht: Es gibt so viele kanadischen Familien, die im Winter frieren, weil sie nicht genügend Feuerholz haben. Auf den gerodeten Flächen wächst violett blühendes Fireweed, zwischen dem lichten Wald liegen einige kleine Seen. Trotz vorangegangenen Logging sieht es hier wunderschön aus. Als wir aus Daves Truck steigen um die Schranke vor seinem Grundstück zu öffnen, ist es beinahe still. „Do you have a driving license?“ fragt er. Er hat eine Überraschung. Während ich nur denke „Oha“ grinst Tobi mich an. Wir ziehen neongelbe Westen über und setzen Helm und Ohrenschützer auf. Dave führt uns zu einer großen, roten Loggingmaschine, mit welcher man seine gefällten Bäume aus dem Wald zieht. Sie hat ein Gas- und Stoppedal, sowie vier Hebel. „You get in there“, sagt Dave und zeigt auf mich. Oh no! Leider werden meine Ausreden nicht geduldet, ich setzte mich auf den breiten Fahrersitz ohne mich daran erinnern zu können, welcher Hebel wofür war. „Just try!“, ruft Dave, probier es einfach aus. Nach diversen Versuchen schaffe ich es, die Maschine zu drehen und schließlich auch, sie mit einem Baumstamm im Schlepptau den Hügel herunter zu fahren (wenn auch in Schlängellinien). Ehrlich gesagt hätte ich es mir schwieriger vorgestellt. Nachdem ich ein wenig erleichtert aus der Loggingmaschine aussteige, ist Tobi an der Reihe. Er fährt sie souverän nach oben (nicht ohne einem weiteren „Wow“) und kommt kurz darauf mit einem weiteren Baumstamm zurück – ich bin ein bisschen neidisch auf seine Schnelligkeit. Zurück im Truck fasst Dave noch einmal zusammen, was er uns auf unserem Ausflug zeigen wollte: Die schlimmste Folge des Loggings ist die Bodenerosion, weil stehengebliebene, alte Bäume dadurch absterben und die Flüsse verschlammen; die Loggingcompanies gehen verschwenderisch mit dem Holz um und das Fahren einer Loggingmaschine ist zu leicht und zu schnell zu erlernen, so denke ich. Alles in allem sind Tobi und ich uns darin einig, dass es ein sehr aufregender Ausflug war – nicht nur aufgrund der vielen Informationen und Eindrücke, die uns in unserer Projektarbeit voranbringen werden, sondern auch wegen der einzigartigen und psychisch devastierenden Erfahrung, eine Loggingmaschine fahren zu dürfen.
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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre