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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

„Es existiert definitiv eine Schildkröten-Mafia!“ – Interview mit Kurt Amsler

Kurt Amsler, der Gründer von SOS-Seaturtles, stand mir für ein kurzes Interview zur Verfügung. Kurt ist eine Fotografen-Legende. Er publizierte unzählige Storys und Bilderstrecken weltweit in Magazinen und Büchern, gewann zahlreiche internationale Foto-Wettbewerbe und arbeitete mit Hans Hass an einer Filmproduktion. Während all dieser Zeit ist er unermüdlich in Naturschutzprojekten aktiv. „Gäbe es keine Nachfrage, wäre das Problem so gut wie gelöst.“ – Das Interview mit Kurt Amsler Reinhard: Kurt, du hast vor über 25 Jahren die Organsiation „SOS SEATURTLES“ gegründet  und warst vor über 10 Jahren der Projektleiter des PADI-AWARE-Projektes in Bali. Das Projekt war ein großer Erfolg in der Arbeit zum Schutz von Meeresschildkröten und CITES hat das Töten und jeglichen Handel mit Meeresschildkröten weltweit verboten. Der Handel mit Produkten von Meeresschildkröten schien eingedämmt. Ich war zugegeben etwas überrascht zu lesen, dass dieses Problem nun wieder derart aktuell ist. Wie wurde man auf dieses erneute Problem aufmerksam und welche Produkte werden aus den gefangenen Schildkröten gewonnen? Kurt Amsler: In Indonesien arbeiten wir von „SOS-Seaturtles“ mit der Organisation ProFauna zusammen, welche durch ihre Mittelsmänner genau über die Situation auf dem Schwarzmarkt orientiert ist. Aber um es gleich auf den Punkt zu bringen – Produkte aus Schildkröten sind nicht „lebenswichtig“! Es handelt sich hier um Souveniers aus dem Rückenpanzer, Leder aus der Haut der Flossenfüße, Fleisch als Luxusartikel und die Eier als Potenzmittel bei den Asiaten. Reinhard: In welchen Ländern liegen die Zielmärkte dieser Produkte? Wie bei allen bedrohten und gewilderten Arten im asiatischen Raum! Reinhard: Wie kann man die Situation mit der Situation von vor 15 Jahren vergleichen – Ist es das gleiche Ausmaß? Auf Grund, dass im letzten Jahr über 500 Schildkröten von der Polizei beschlagnahmt und wieder freigelassen wurden, kann angenommen werden, dass sich die Zahl der getöteten Tiere um die 2.000 bewegt. Verglichen mit den 25.000 Tieren wie noch vor 15 Jahren wenig – aber trotzdem zu viel!! Reinhard: Es ist zu lesen, dass 600 Schildkröten im Wakatobi Meeres-Nationalpark gewildert wurden. Das klingt unglaublich! Wie ist das Wildern in einem Nationalpark überhaupt möglich? Unsere Investigationen fanden in den Jahren 2009 und 2010 statt. Indonesien ist ein Land in dem Korruption an der Tagesordnung ist. Schutzbestimmungen existieren nur auf dem Papier – so auch im Wakatobi National Park… Reinhard: Welche Strukturen stecken hinter dem Handel mit Schildkröten und Schildkröten-Produkten. Wer sind die Strippenzieher? Mit Schildkröten wird sehr viel Geld verdient. Es existiert definitiv eine Schildkröten-Mafia! Reinhard: Werden vor Bali immer noch Schildkröten gewildert? Um die Insel Bali gibt es schon lange so gut wie keine Meeresschildkröten mehr. Verglichen mit den Populationen vor 20 Jahren macht das noch ein Promille aus, man sieht sie nur vereinzelt. Die Tiere werden in ganz Indonesien gefangen, Bali ist der Umschlagplatz. Reinhard: Müsste nicht auch von unserer Politik mehr Druck auf Länder ausgeübt werden, in denen die Nachfrage erzeugt wird? Gäbe es keine Nachfrage, wäre das Problem so gut wie gelöst. Aber wer von den Politikern interessiert sich schon für Meeresschildkröten – wichtig sind doch nur gute Handelsbeziehungen mit den Asiaten. Reinhard: Was können wir tun, damit dieses sinnlose, von Geldgier getriebene Tun, ein für alle mal der Vergangenheit angehört? Verzicht auf alles was aus Meeresschildkröten hergestellt wird  – eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Heutige Medien wie Facebook machen es einfach, diese Informationen zu verbreiten und zum Unterschreiben aller Petitionen aufzurufen! Reinhard: Da kann ich nur noch ein Ausrufezeichen dahinter setzen und mich bei dir bedanken! Mir persönlich tut es leid, dass auf das friedfertige und liebenswerte Volk der Balinesen ein Schatten fällt, den sie nicht verdient haben. Für andere Regionen Indonesiens gilt das natürlich genauso. Wie so oft, verursacht durch wenige Kriminelle und Korrupte und einem Markt der Nachfrage, der immer wieder in der selben Ecke unserer Welt zu finden ist. Die Macht dies zu ändern und bestehende Gesetze in aller Härte anzuwenden, oder gar die Märkte der Nachfrage stillzulegen, hat die Politik. Die Macht, die Politiker dazu zu bewegen hat jedoch jeder Einzelne von uns! Viele interessante Informationen und Petitionen zum Thema sind in den folgenden Links zu finden. Bitte unterzeichnet noch heute die Petition, sie bilden die Grundlage für geplante Vorträge und Pressekonferenzen in Bali und Jakarta von ProFauna und SOS Seaturtles – jeder Klick zählt und verändert die Welt! Zu gerne würde ich die Schildkröte am Wrack der Liberty als einen Boten interpretieren, der uns sagt: „Wir wollen hier wieder leben – mit eurer Hilfe können wir’s schaffen“ http://www.profauna.net/en/sea-turtle-campaign http://www.sos-seaturtles.ch/ Petition „Office of the Indonesian Government in Bali: STOP the illegal slaughter of Green Sea Turtles!“

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre