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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Gibt es eigentlich Salzwasser-Biber?

Wo bin ich? Wieso liegen meine Sachen nicht neben mir im Zelt? Wieso rauscht das Meer nicht? Irgendetwas stimmt hier nicht. Kurzer Moment der Verwirrung und leichter Panik. Denn wir erwachen heute wieder in weichen Federbetten statt auf unseren Isomatten, und das Rauschen der Wellen wurde ersetzt durch die Geräusche der Zivilisation. Das verwirrt manch einen von uns ganz schön. Gut also, dass wir heute erneut aufbrechen in die Wildnis. Doch vorher muss wie immer einiges erledigt und gepackt werden. Fleißig wuseln wir den ganzen Morgen herum. Kurz vor der Abreise aus unserer Unterkunft wollen wir noch einmal frische Eier braten, auf die wir die nächsten Tage werden verzichten müssten. Doch Moment – wir haben gar keinen Herd! Es war bisher einfach keinem aufgefallen. Also keine Eier. So etwas darf uns in der Wildnis natürlich nicht passieren. Deshalb überprüfen wir noch einmal alle Taschen und dann geht es los Richtung Cape Scott Provincial Park. Dort werden wir zwei Landstücke wertvollen Urwald und artenreiches Habitat besichtigen, die vom Schutz des Parkes ausgenommen sind, und die wir daher möglicherweise bewahren könnten. Dafür stehen uns aber drei Tage langer Wanderungen mit schwerem Gepäck bevor. Deshalb haben wir uns noch etwas Verstärkung „bestellt“ – heute Abend werden noch Frauke, Antonia und Henri aus Berlin und Dresden zu uns stoßen, um die Landbesichtigungen und Erforschungen tatkräftig zu unterstützen. Wir wollen Sie herzlich in Kanada und in der Wildnis empfangen und wandern deshalb schon einmal vor, ein Stück in den Park hinein auf einem zauberhaften kleinen Pfad aus weichem Waldboden, umgeben von den unzählbaren verwunschenen Grüntönen des Urwalddickichts, unfassbar dicken Riesenlebensbäumen und bis hoch in den Himmel ragenden Sitka Fichten. Als der Wald sich nach etwa 45 Minuten langsam lichtet, gelangen wir in eine wunderschöne Bucht am Meer, wo wir unsere Zelte aufschlagen und das Essen vorbereiten. Um uns die Wartezeit zu vertreiben, machen Carina und ich noch einen kleinen Spaziergang am Strand entlang. Die hereinströmende Flut füllt gerade einen sonst abgetrennten See, der etwas versteckt und ruhig um eine Kurve gelegen ist. Wir setzen uns hin und genießen die Geräusche des Waldes hinter uns, das Rufen der Vögel und gelegentliche Knacken der Äste. Im Wasser liegen einige alte Baumstämme. Sie sind beim genauerem Hinsehen doch etwas unnatürlich aufgetürmt – eine Biberburg? Da schwimmt doch auch was! Aber Moment, gibt es Salzwasser-Biber? Nein, das ist ein Otter! Immer wieder streckt er seinen Kopf lang aus dem Wasser, beobachtet kurz das Ufer und verschwindet dann leise wieder unter der Wasseroberfläche. Eine Weile beobachten wir ihn still, dann gehen wir wieder zurück zu den Zelten. Die anderen sind in der Zwischenzeit angekommen. Nach dem obligatorischen Wildnis-Talk (Wie kann ich hier draußen eigentlich Geschirr spülen? Wie verhalte ich mich wenn ich einen Bären sehe?) gibt es dann endlich Essen und wir fallen müde in die Zelte. Ich liege im Schlafsack und sage zu Carina: Es fühlt sich an, als ob wir zwei Tage verreist waren. Und jetzt bin ich wieder auf meiner Isomatte, in meinem vertrauten Schlafsack, an der frischen Luft beim bekannten Meeresrauschen. Wieder zu Hause. – Jette

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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