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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Kanada – „You guys don’t have something like this in Germany, right?!“

Über die letzten 2 Woche zu berichten, erscheint fast unmöglich, so viel ist schon wieder passiert. Am Donnerstag ging es los, um mit unserem neu erstandenen Auto, getauft auf den Namen Zoé, British Columbia zu entdecken. Das Auto ist super praktisch,da es nur noch die zwei Vordersitze besitzt und hinten mit einer riesigen Matratze ausgestattet ist, sodass man problemlos darin schlafen kann. Und Campingplätze sind hier im Vergleich zu allem anderen relativ billig, auch wenn man sich keine Hoffnungen machen darf, dort je eine Dusche oder fließendes Wasser zu finden. Aber da in jeder etwas „größeren“ Stadt Community Centre mit öffentlichen Duschen sind, stellt das kein größeres Problem dar. Die Landschaft hier ist wirklich unglaublich, die Campingplätze überbieten sich gegenseitig an Schönheit und der Sternenhimmel nachts aus dem Auto raus bringt einen fast zum Weinen, so toll sieht das aus. Die Seen sind klar und ideal zum morgendlichen, mittaglichen und abendlichen Schwimmen, auf den Campingplätzen ist man meistens (abgesehen von Kühen, Pferden und Fröschen) fast alleine und inzwischen kann ich auch auf einem Gaskocher super Abendessen zaubern. Probleme machte nur Zoé, die schon am ersten Tag nach Whistler neue Vorderradreifen brauchte und jeden weiteren Tag neue Wehwehchen zu stande brachte. Mal schaltete sie nicht mehr in den zweiten Gang, mal fuhr sie nicht mehr rückwärts und immer kamen neue, komisch klingende Geräusche hinzu. Tobias und ich atmeten jeden Abend auf, wenn wir tatsächlich unser Ziel erreicht hatten. So hatten wir fünf wundervolle Tage voller Natur und kanadischer Schönheit, bis Zoé sich dann endgültig entschied, keine Lust mehr zu haben. Zum Glück waren wir gerade in einem etwas größeren Ort, wo wir eigentlich nur einen Motorölcheck machen wollten, der Automechaniker uns dann aber mitteilte, dass die Karre ein Totalschaden wäre und wir damit niemals mehr bis zu unserem nächsten Ziel, Jasper, kommen würden. Dass das alle Pläne etwas zerstörte, kann man sich ja sicherlich vorstellen. Nach langen Überlegungen entschieden wir uns dafür, das Auto zu verkaufen oder zur Not zu verschrotten und mit dem hier populären Greyhoundbus weiterzufahren. Problem nur, dass die Karre keiner mehr haben wollte, wir sie aber innerhalb von 2 Tagen, in denen wir auf einem Campingplatz in Kamloops übernachtet haben, loswerden mussten. Wir hatten uns schon überlegt, die Nummernschilder einfach abzuschrauben und sie auf der Straße stehen zu lassen, aber leider kann das Auto trotzdem irgendwie identifiziert werden und dann hätten wir Strafen zahlen müssen, für die wir hier die nächsten 10 Jahre oder so hätten arbeiten müssen. Glück im Unglück, am letzten Abend in Kamloops kam der Campingplatzbesitzer zu uns und meinte, sein Kumpel würde das Auto kaufen. Natürlich haben wir sofort zugestimmt, ihm unsere ganze Campingausrüstung, die nicht mehr in die Koffer passte überlassen und erstmal tief durchgeatmet. Den letzten Dienst erwies Zoé uns dann noch, in dem sie bei der Probefahrt komischerweise super fuhr und wir sie so am nächsten Morgen zu dem Typen brachten. Glücklicherweise konnten wir vorwärts in die Parklücke reinfahren, raus kommen widr der arme Kerl wahrscheinlich nie mehr, denn der Rückwärtsgang tat absolut nicht mehr. Egal, uns fiel ein großer Stein vom Herzen als wir in den Greyhoundbus Richtung Banff stiegen, auch wenn es unglaublich schade um die tolle Zeit mit dem Auto ist. In Banff verbrachten wir die nächsten Tage im Hostel, der Ort ist klein, aber sehr nett, wenn auch unglaublich touristisch. Wir waren viel spazieren, in den Hot Springs (die auf 39 Grad „runtergekühlt“ werden, man hält es aber wirklich nicht lange darin aus) und haben mal wieder darüber gestaunt, wie viele Deutsche und Australier gerade in Kanada sind. Die letzten zwei Tage haben wir eine Tour nach Jasper und zurück gemacht, über die Moosetraveltour, ein Busunternehmen, was extra auf Backpacker ausgerichtet ist und was nicht nur von einem Ort zum nächsten rast, sondern viele Stopps macht, man zusammen wandern geht, abends am Lagerfeuer sitzt und unglaublich viele Leute aus unterschiedlichsten Ländern kennenlernt. Natürlich ist das längst nicht so cool, wie mit einem eigenen Auto durch die Gegend zu fahren, aber besser als gar nichts, und da wir Jasper und Banff schon so nahe waren, wollten wir auch nicht direkt zurück nach Vancouver fahren. Auf der Tour nach Jasper waren wir auch auf einem der Gletscher im Columbia Icefield, total faszinierend, wenn man sich vorstellt, wie alt das Eis ist, auf dem man da steht. Übernachtet haben wir in einem Hostel an den Athabasca Falls nahe Jasper, das rustikalste Hostel, was ich je gesehen habe. Kein fließednd Wasser, 16-Mann-Schlafzimmer, nachts waren es null Grad und ich habe kein Auge zu getan vor Kälte. Aber toll wars trotzdem, einfach mal wieder was ganz anderes. Am nächsten Tag ging es schon zurück Richtung Jasper, wir waren wieder toll wandern, haben Seen gesehen, die aussehen wie von Fotoshop bearbeitet und abends haben wir noch mit der Moosetruppe zwei der Clubs von Banff besucht, die nett waren, man aber schon allein vom Bier trinken (das hier unglaublich wässrig ist), arm werden kann. Aber da der Bundesstaat Alberta eine der einzigen ist, in dem die Clubs ab 18 sind, musste das ausgenutzt werden. ;) Auch wurde mal wieder deutlich, wie klein die Welt doch ist, auf der Bustour trafen wir Deutsche, die aus einem kleinen Dorf in Niedersachen kommen. Natürlich ein Dorf, in dem Verwandte von mir wohnen. Irre. So waren die letzten Wochen, ganz anders als eigentlich gedacht, ums Auto trauern wir immer noch, aber: Shit happens, so ist das halt. Achso, die ersten zwei Bären haben wir inzwischen auch gesehen, außerdem einen riesigen Elch und diverse Steinböcke. Den Spruch „You guys don’t have something like this in Germany, right?!“, hört man hier übrigens von jedem Kanadier, mit stolz geschwellter Brust. Und wo sie Recht haben, haben sie recht, so eine Landschaft habe ich bisher noch nirgendwo gesehen. Atemberaubend, jeden Tag aufs Neue. Ab morgen fahren Tobias und ich erstmal für ein paar Wochen auf die Farms, wo wir arbeiten und dafür Logis und Essen gratis kriegen. Eigentlich wollten wir dort erst im September hin, aber ohne Auto ist das Reisen einfach auf Dauer zu teuer, sodass erstmal sparen angesagt ist. Mal sehen, wie es da so wird, freut euch auf einen nächsten Bericht! ;-) DSC00963DSC00949DSC00918DSC00902DSC00868DSC00847DSC00836DSC00846

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre