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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Karibueingeweide und Wal zum Abendbrot

Direkt nach meiner Ankunft in Inuvik sah ich mich dem ersten Kulturschock gegenüber – es gab Karibu zum Abendbrot! Aber nicht mit Gewürzen oder Gemüse in einem Eintopf, nein. Zuerst hat mir Gwich’in – Jäger William seine Trophäen roh, blutig und noch halb gefroren gezeigt. Innereien wie Herz und Nieren sind scheinbar Delikatessen, und sie wegzuwerfen wäre respektlos gegenüber dem Tier, das sein Leben für uns gegeben hat. Als alles mit Wasser im Topf ist und kocht kommen die anderen aus allen Ecken des Hauses, angelockt von dem einzigartigen Geruch, und versammeln sich in der Küche. Ich lerne, dass man mir die schwarze Paste abkratzen muss, die von der letzten Mahlzeit des Karibus übrig geblieben ist, dann ist das Fleisch schon bereit zum Verzehr. Eingeweide: schmecken für mich wie Algen, wahrscheinlich weil die Karibus so viele Pflichten essen Herz: schmeckt für mich wie Leber Rippen: sehr lecker Inzwischen habe ich mich wirklich daran gewöhnt. Man läuft ins Wohnzimmer und da liegt ein halbes Karibu? Oder ein Karibukopf? Das ist hier normal. Und das kleingeschnittene Fleisch in Suppen und Eintöpfen schmeckt wirklich gut. Dazu gibt es die hier traditionelle Art von leicht süßlichen Brötchen oder Brot, oder leckere Donuts. Aber als liebsten Hungerstiller für zwischendurch nennen hier alle Trockenfleisch, das so ähnlich schmeckt wie Salami und auch aus Hackfleisch gemacht werden kann, das dann auf selbst gefertigten Stäben getrocknet wird, die hier fast jeder im Haus hat. Aber das wohl Exotischste, was ich bisher probiert habe, war Walfleisch. Da McPherson so nah am Eismeer der Beaufortsee liegt, gibt es auch traditionelle Speisen der Inuvialuit (besser bekannt als Inuit). Muktuk, so der traditionelle Name, sind Haut und Speck von Polar-, Beluga- oder Narwalen. Schmeckt überraschend gut und kaum wie Fisch! Von der Wildnis zu leben ist nicht nur gesund für uns Menschen, sondern auch für den gesamten natürlichen Kreislauf. Keine Transportkosten für Importe von weit weg, keine Massentierhaltung, keine Antibiotika oder Konservierungsstoffe. In Europa kostet es vergleichsweise große Anstrengung wieder faire, regionale, bio Nahrungsmittel zu bekommen. Hier gibt es sie noch – also lasst sie uns respektieren, genießen und dankbar sein!

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre