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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Moving day!

Nach den Anstrengungen des gestrigen Tages finden wir, wir haben uns erstmal Pancakes verdient. Doch nach diesem entspannten Frühstück heißt es dann auch schon Camp zusammenpacken, denn wir haben nur noch wenige Stunden bis uns ein Boot abholen und noch weiter weg von der Zivilisation bringen wird – zu einem weiteren Landstück in der Nähe vom Land der Wölfe, einem der ersten Wildnisgebiete, die Wilderness International je geschützt hat. Doch zuerst müssen wir unser Gepäck portagieren, zurück über dieselben rutschigen und spitzen Felsen auf denen wir vor ein paar Tagen angekommen waren, wo sich zwischen spitzen Seepocken, belebten Gezeitenpools und glitschigem Seetang eine etwas gefährliche, aber geeignete Anlandestelle für das Boot befindet. Während wir dort auf unseren Shuttle warten, bietet sich die perfekte Gelegenheit, die riesigen rosafarbenen und lilanen Seesterne zu begutachten, die die Ebbe zwischen den Felsspalten zum Vorschein kommen lassen hat. Dann kommt das Boot, und dank starker Teamarbeit können wir das Gepäck sicher und schnell verladen. Und schon geht es los zum „Sandy Beach“, wie wir das neue Landstück vorerst anhand der Luftbilder getauft hatten. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus – auch wenn die Küste hier wesentlich ebener und geradliniger ist, aus Steinen besteht sie trotzdem. Nichtsdestotrotz sind wir sofort hin und weg von der Schönheit der rauen Küste und dem von Salz und Wellen gebleichten, beständigen Bäumen am Rand des Waldes. Ein paar günstig angeschwemmte Stämme markierten schon einen erhöht gelegten Platz für unser Camp, sodass uns nun nur noch Feuer und Unterstand fehlen. Schnell sind wir alle beschäftigt mit Tarpe aufspannen, Holz sammeln oder Zelt aufbauen. In diesem Prozess entdecken wir dabei in der Flutzone einige Wolfsspuren – was bedeutet, dass es erst wenige Stunden her sein kann, dass die Tiere hier entlanggelaufen sind. Und ein weiterer Zufall fügt sich in unser Schicksal – bei einem Strandspaziergang entdeckt Carina einen toten Seelöwen, den die Flut angespült haben muss. Deshalb beschließen wir bei Anbruch der Dämmerung mit Fabian dorthin zu gehen, uns etwas verborgen hinzusetzen und die nächsten Stunden bis Sonnenuntergang ohne Bewegung oder Geräusche auf die Wölfe zu warten. Schon nach den ersten 20 Minuten meldet sich bei mir der erste sanfte Rückenschmerz, das Ohr juckt wie verrückt und meine Füße schreien auch nach Positionswechsel. Also möglichst leise und langsam den Sitz verändern. Doch schon nach 5 Minuten wird mir auch diese Position unbequem. Zum verrückt werden. Was tut man nicht alles, um ein paar Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Das nützt jetzt alles nichts, ich zwinge meine Gedanken, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, die gleissende Lichtstrasse auf der Wasseroberfläche beispielsweise, welche die untergehende Sonne hinterlässt. Hab ich da nicht was im Wald rascheln gehört? Hat sich dort hinten am Strand nicht gerade etwas bewegt? Als es langsam kühl wird, beschließen wir, wieder ins Camp zu gehen und uns am Feuer aufzuwärmen. „Ja ja, so ist das in diesem Job,“ sagt Fabian. „Man sitzt viel rum und nichts passiert.“ Die Wölfe haben sich uns heute Nacht nicht gezeigt. „Aber ich finde es schön, wie man zur Ruhe kommt, “ sagt Fabian später, als wir am Lagerfeuer den Tag ausklingen lassen. Und wir haben einen fantastischen Sonnenuntergang zu sehen bekommen, der uns sonst zwischen alltäglichen Aufgaben vielleicht entgangen wäre. Und siehe da – plötzlich, während wir so ganz in Ruhe ums Lagerfeuer sitzen, aufs Meer schauen und den Tag Revue passieren lassen, tippt Carina mir plötzlich energisch an die Schulter. „Da hinten hat sich was bewegt, ich hab’s genau gesehen, es ist aus dem Wald heraus den Strand herunter gelaufen. Und tatsächlich – genau dort, wo wir wenige Stunden zuvor so sehnlichst gewartet hatten, tümmelt sich jetzt ein kleines Rudel Wölfe um den Kadaver. So sind sie doch noch gekommen, zu ihrer Zeit – denn das hier ist allein ihr Land. +++ Jette

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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