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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Rückkehr in die Zivilisation

Wir starteten heute besonders früh in den Tag.
Als Kais Weckruf an mein Ohr drang, sah ich mich verschlafen um.
Ich brauchte eine Weile, um meine lebendigen Träume verblassen zu lassen und meine Umgebung wieder wahrzunehmen. Ein plötzliches Gefühl von Glück übermannte mich, als ich aus unserem kuscheligen Zelt ins Freie taumelte. Es schien mir, als wären die Berge im Umkreis unserer Sandbank mit mir zusammen gerade erst erwacht.
Während ich mich in meinem Pulli versteckte, umgaben sie sich mit einem weiten Mantel aus Nebel. Das Zwitschern einiger Vögel drang an mein Ohr, als mein Blick dem Lauf des von Nebel umhüllten Toba River nach oben folgte.
In Richtung des Ortes, an dem wir gemeinsam die zwei letzten Wochen verbracht hatten. Der Gedanke daran das Tal heute verlassen zu müssen, schnürte mir plötzlich meine Kehle zu. Im Laufe unserer Expedition hat mich der Wald verzaubert.
Die hunderte Jahre alten Bäumen, die schneebedeckten Gipfel um uns herum, die Sandbänke und der alles umschlängelnde, reißende Toba sind zu meinem gewohnten Umfeld geworden. Das Gefühl Abschied nehmen zu müssen verstärkte sich, als wir frühstückten und nach dem Abbau des Camps unser Equipment zum Abtransport ans Wasser bewegten.
Wir verteilten uns und das Gepäck auf die Boote. Jette, Pia, Emilia, Antonia, Clara, Kai und ich übernahmen ein Schlauchboot und ließen uns dem Ozean entgegen treiben.
Die Landschaft um uns herum veränderte sich stetig. Ich sah ein letztes Mal zu den Bergen die nun hinter uns lagen. Es ist schwer zu beschreiben, was ich in diesem Moment fühlte.. Vielleicht ein wenig Trauer die sonnenbeschienenen Berge ab heute nur noch auf Bildern und nicht vor meinem Zelt zu sehen.. Vielleicht aber auch Zufriedenheit, weil mir nach dieser Reise so viel klarer geworden ist, warum das, was wir tun, wichtig ist.
Umso weiter wir dem Ozean entgegen kommen, desto mehr Kahlschläge sehen wir in der Landschaft. Das erste Mal andere Menschen als das Expeditionsteam in Form von unseren Bootsführern zu sehen, war der erste Schritt zurück in die Zivilisation. Henri, Julius, Jannis, Antonia und ich wurden in einem Zodiak über den Ozean gebracht, während die anderen ohne Ganzkörperanzüge in einem anderen Motorboot saßen. Wir beobachteten einen jungen Grizzlybär, welcher am Strand nach Nahrung suchte und zwei Orcas, welche synchron der Flut entgegen schwammen. Freudestrahlend über dieses Schauspiel der Natur kamen wir in Campbell River an und warteten auf die anderen. Ein Bus brachte uns dann nach Nanaimo, von wo aus wir mit der Fähre nach Vancouver übersetzten. Einige Orcas befanden sich im Hafen, als ich an Deck stand und mit Fahrtwind in den Haaren die Landschaft genoss.
Vollgepackt traten wir dann den Weg zu unserer Jugendherberge per Bus an. Die Bäume am Straßenrand wirkten so mickrig im Vergleich zu allem, was ich in letzter Zeit gesehen hatte.
Nach der obligatorischen Gruppenbesprechung teilten wir uns in kleine Gruppen auf und zogen nachts durch Vancouver.
Vor den Lichtern der Stadt saßen wir später frisch geduscht am Strand und ließen den Tag ausklingen. Der Kontrast von purer Wildnis und Großstadtgetümmel war schwer zu verarbeiten. Alles war so hell und laut. Aufregend, aber auf eine ganz andere Art als im Toba Tal. Mit dem Gedanken, dass mir dieser Tag so viel länger erschien als jeder andere und dem Gefühl der Dankbarkeit, dies alles erleben zu dürfen, schlief ich schließlich ein. CaroOrca schneebedeckte Gipfel

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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