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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Willkommen im Dschungel

Wir erwachen 6.30 Uhr zu pastellfarbenem Himmel in taubengrau, milchkaffeebraun und elfenbeinweiss. Das Morgenlicht macht aus dem nassen Teil des Strandes eine glänzende Spiegelfläche, in der die Farben als verzerrte Schemen ineinanderfließen.Bis wir gefrühstückt, die letzten Sachen aus dem Sand und von Treibholzstücken gepflückt und alles wieder ordnungsgemäß verpackt haben, vergeht eine Weile, aber dann sind wir wieder back on track. Der feine weiße Sand geht in einen weichen Erdpfad über, die Weite des Strandes verdichtet sich zu altem Küstenregenwald, mit dickem Treppenmoos bewachsenen Bäumen und Skunk Cabbage. Farne durchziehen den Wald wie eine grüne Milchstraße. An einer Brücke machen wir Halt und teilen uns auf. Ein Teil der Gruppe bleibt zurück, um auf die Rucksäcke aufzupassen. Der andere Teil verlässt den Weg in Richtung eines Landstückes, das wir vermessen werden. Auf den ersten Blick wirken manche Teile des Waldes undurchdringlich, aber mit einem geübten Auge und teilweise einiger Kraftanwendung kommen wir dann doch meistens irgendwo durch. Genauer hinzuschauen, bei alldem was es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint uns am Weiterkommen zu hindern, lohnt sich nicht nur um einen Durchgang zu finden. Man sieht Moose die an Federn erinnern, dünne Tannenzweige, die Miniaturpalmen gleichen und immer wieder zentimeterdicke purpurrot-grüne Polster, die sich selbst durch die dicken Sohlen der Wanderschuhe anfühlen wie ein weiches Sofa nach einem harten Arbeitstag. Dazwischen Flechten, die aussehen, als wären sie mit großem Aufwand aus winzigen Eiskristallen zusammengesetzt worden. Weiter oben empfangen uns Devils Club mit dornigen Zweigen und Salalbüsche mit zerbrechlichen weißen Blütentrauben. Hier und da warten Überraschungen auf uns: ein plötzlich auftauchendes Wasserloch, ein alter dick bemooster Stamm, der sich beim daraufsteigen als nicht mehr existent erweist, oder versteckte Wurzeln, die uns stolpern lassen. Nachdem wir uns schließlich einen Weg gebahnt haben, beginnt die eigentliche Arbeit. Die Ecken der Waldfläche müssen markiert und die Durchmesser der Bäume darin vermessen werden. Bald klingt es als würden wir uns nur noch über Codes kommunizieren: „Red Cedar, twenty-two point five“ oder „Dave! Hemlock, fifty five point seven“. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Mission, treten wir, gestärkt durch Clifbars, den Rückweg durchs Dickicht an. – Antonia

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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