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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Wunder der Natur

Pascale Das Geräusch einer Trillerpfeife weckt mich auf. Im ersten Moment denke ich „Oh nein! Nicht schon wieder eine Flut“. Kurz darauf merke ich aber, dass nicht etwa jemand außerhalb des Zeltes versucht, uns alle schnellstmöglich aufzuwecken, um das Camp zu evakuieren, sondern dass es nur der Wecker ist. Ich gehöre heute zur Küchen-Crew, was bedeutet, dass ich heute Morgen mit Jette, Johannes und Felix dafür zuständig bin, dass alle etwas zu essen bekommen. Ich backe Fladen aus dem übrig gebliebenen Stockbrotteig von gestern Abend. Gar nicht so einfach, mit all dem Rauch und ohne Pfannenwender. Aber in genau diesen Situationen kommt man auf kreative Ideen und mit Stock, Löffel und Kathis Hilfe sind bald 36 Minibrote gebacken und alle anderen verspeisen sie genüsslich. Das Frühstück ist heute ein wahres Luxus-Frühstück: Rührei, Fladen, Bananen und Müsli (liebevoll braune Pampe genannt) werden dankbar angenommen. Dann heißt es: Den Rest der Küche von Cape Hope (wie wir unsere zweite Rettungsstation genannt haben) ins Camp holen. Dabei wate ich durch das Wasser, welches mir vor einem Tag an ungünstigen Stellen noch bis über den Bauchnabel reichte. Heute geht es an den höchsten Stellen gerade mal bis an meine Knöchel. Der rapide, große Unterschied fasziniert mich und erinnert mich daran, wie wild die Natur hier wirklich ist. Sie macht, was sie will und ist stärker als wir alle zusammen. Somit sind wir komplett in ihren Händen, doch trotzdem lässt sie unsere Anwesenheit zu und das ist eine unglaubliche Vorstellung… Sobald wir die Küche wieder beisammen haben und unsere Wäsche zum Trocknen in den noch leicht von Tau bedeckten Bäumen aufgehängt haben, bekommen wir Freizeit, welche ich dazu nutze mich in dem kristallklaren, eiskalten Wasser zu waschen. So klar ist das Wasser zu Hause nie und ich genieße den Anblick der über Jahrhunderte abgerundeten Kieselsteine, die hier fast überall den Boden des Toba Rivers bedecken. Die Kälte des Wassers spürt man dabei nach einiger Zeit (die leider eine gefühlte Ewigkeit dauert) nicht mehr. Auch die anderen waschen sich und baden, danach fangen die Jungs sage und schreibe sechs große Fische und Kathi und Bernd kommen mit einer Bratpfanne aus dem Wald zurück. Ja, es scheint fast so, als würde es in Kanada Bäume geben, an denen gusseiserne Pfannen wachsen, denn am letzen Toba Camp hatte ich genauso eine Pfanne aus dem Wald mitgebracht. Tatsächlich ist dem natürlich nicht so. Aber hier gibt es, wie auch beim letzten Camp, eine verlassene Hütte in der sich allerlei Sachen finden lassen. Nach dem Mittagessen gehe ich mit den anderen zu dieser Hütte. Beim ersten Anblick muss ich an Rotkäppchen denken: eine etwas schäbige doch zugleich mysteriöse und fast magische Hütte steht verlassen im Wald. Es fehlt nur noch etwas Nebel und ein Wolf… Stattdessen finde ich Anzeichen dafür, dass sich hier ein Bär aufgehalten hat, denn ich finde Kratzspuren, Haare und sogar leichte Fußabdrücke. Über Bären wusste auch der Besitzer der Hütte Bescheid, denn an den Fenstern sind Nägel, die einen Bären daran hindern würden reinzukommen. Auch die Hochwassersituation war ihm wohl bekannt, da die Hütte erhöht gebaut worden ist. Ich frage mich, wer wohl die Person war, die hier gelebt hat, und ob überhaupt jemand hier gelebt hat. Ich male mir verschiedene Geschichten aus, aber welche davon stimmt, weiß ich nicht und ich werde es auch nie wissen. Aber gerade das ist der Grund dafür, dass ich die Hütte so spannend finde! Auf dem Rückweg zum Camp bereitet sich uns ein Anblick der Landschaft, den ich nur schwer in Worte fassen kann. Hinter uns liegt der Wald, vor uns Berge, manche davon schneebedeckt. Die Sonne ist dabei, hinter zahlreichen schleierhaften Wolken unterzugehen und sie taucht dabei mit ihren weichen Strahlen einen Teil der Felsen in ein Licht, wie es manchmal in Fantasy-Filmen vorkommt, nur dass es hier echt ist und nicht, wie im Film, aufwendig animiert. Die schneebedeckten Gipfel scheinen jedoch noch im Tageslicht zu sein, welches einen Kontrast zu dem Sonnenuntergang bietet. Noch dazu regnet es leicht und das Aufeinandertreffen von Sonne und Regen lässt einen Regenbogen erstrahlen, der von einer Wolke zur anderen reicht. In dem Moment denke ich, wenn das hier in einem Film vorkommen würde, würde ich niemals glauben, dass es solch einen Anblick in Wirklichkeit geben könnte. Aber es gibt ihn eben doch und ich bin für den Rest des Tages glücklich, dass ich ihn miterleben durfte. Pascale – Wunder der Natur – Ruhige Nacht ohne Flut – Faszinierende Zurückbildung des Wasserspiegels – kristallklare Kälte – zweite misteriöse Hütte – wunderschöne Landschaft im perfektem Licht – Regenbogen zum Abschluss des Tages. http://wi.wildblog.org/wp-content/uploads/2014/07/DSC06840.jpghttp://wi.wildblog.org/wp-content/uploads/2014/07/DSC06837.jpghttp://wi.wildblog.org/wp-content/uploads/2014/07/DSC06817.jpghttp://wi.wildblog.org/wp-content/uploads/2014/07/DSC06811.jpg

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre