Zivildienst in der Sächsischen Schweiz
Im Zentrum von Bad Schandau, einer kleinen Stadt inmitten des bekannten Elbsandsteingebirges, liegt das NationalparkZentrum Sächsische Schweiz. Zur Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (
LaNU) gehörend, besitzt es zwei permanente Zivildienststellen. Auf diese Stellen verschlägt es, wie ich am eigenen Leib feststellen konnte, jedoch nicht nur Zivildienstleistende aus den umliegenden Ortschaften. Wer sich für Biologie interessiert und etwas für den Umweltschutz tun möchte, kommt auch von weiter weg.
Die täglichen Arbeiten als Zivildienstleistender sind meist interessant. So werden Wandergruppen durch die Sächsische Schweiz geführt, Tierpräparate untersucht und bestimmt, Fachvorträge und Lehrgänge organisiert. Natürlich müssen Zivildienstleistende auch typische "Zivi-Arbeit" verrichten, mehr oder weniger langweilige Aktenarbeit, Tische schleppen und Zimmer umräumen, doch dies hält sich - im Gegensatz zu manch anderen Zividiensteinsätzen - sehr in Grenzen. Dank überwiegend interessanter Tätigkeiten, einer harmonischen Atmosphäre und freundlichen Mitarbeitern, ist das NationalparkZentrum (NLPZ) zweifellos eine sinnvolle und lohneswerte Zivildienststelle. Aufgrund der Themenatik natürlich insbesondere, wenn man anschließend Biologie studieren will.
Das NLPZ, so wie auch die Nationalparkverwaltung, leistet einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Natur- und Umweltschutz in der Sächsischen Schweiz. Vielfältige Bildungsprogramme werden durchgeführt, beispielsweise regelmäßige Umweltlehrgänge für Kindergärtnerinnen, die ihren Schützlingen von Anfang an ein verantwortliches und umweltbewusstes Handeln beibringen sollen. Neben gezielten Veranstaltungen sind natürlich auch die dreisprachigen, täglich geöffneten und gut besuchten Ausstellungsräume ein wichtiges Instrument zur Sensibilisierung und Bildung der Touristen und Gäste. Sie erläutern nicht nur die Entstehungsgeschichte der Sächsischen Schweiz, regionale Besonderheiten ("Kellerklima") und andere interessante Tatsachen, sondern informieren auch über Themen des Umweltschutzes. So wird gezeigt, was unter einem "natürlichen Wald" zu verstehen ist und warum dieser wichtig ist. Ein besonderes Exponat, das in Deutschland fast einmalig ist, ist eine Lebendausstellung von Waldameisen - das NationalparkZentrum besitzt ein Formikarium mit einem aktiven Volk von Formica polyctena, einer nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützen Ameisenart.
Aufgrund der Nähe zur tschechischen Grenze bestehen zwischen dem NLPZ und den tschechischen Kollegen vielfältige Kooperationen. Relativ regelmäßig werden grenzübergreifende Naturschutzprojekte und Veranstaltungen durchgeführt.
Der Nationalpark selbst ist ein wichtiges Rückzugsgebiet bedrohter Tiere und ist Heimat verschiedenster Tier- und Pflanzenarten. So ist die Sächsische Schweiz einer der wenigen Regionen Deutschlands, in welche freilebende Luchse (Lynx lynx) zurückgekehrt sind. Für den Erhalt und Schutz der Region spielt der Status als Nationalpark eine große Rolle. Im Vergleich zu einem Naturschutzgebiet, beispielsweise, darf der Wald des Nationalparkes nicht forstwirtschaftlich genutzt werden. Während im Naturschutzgebiet umgefallene Bäume künstlich entfernt werden (und somit das ökologische Gleichgewicht durcheinander gebracht wird, die Humusbildung gestört wird), sind derartige Eingriffe im Nationalpark strengstens untersagt. Nur so kann sich schließlich ein gesunder und natürlicher Wald entwickeln, ein vollständiges Mosaik verschiedener Sukzessionsstufen bilden.
Denjenigen, die eine Zivildienst- oder FÖJ-Stelle im Bereich des Umweltschutzes suchen, kann ich das NationalparkZentrum in Bad Schandau zweifellos empfehlen. Es macht Spaß, die Mitarbeiter sind sehr nett, die Arbeit ist sinnvoll und dient einem guten Zweck.
Oktober 2009