14.Juli 2009
Aus dem Häusermeer der zweitgrößten Stadt Kanadas sieht man ihn aufragen: Den krummen Finger.
Der mit 175 Metern höchste schiefe Turm der Welt (schon allein deswegen ist diese Stadt eine Reise wert) krönt die teuerste Sportarena aller Zeiten, die auch ein Vierteljahrhundert nach Baubeginn noch nicht abbezahlt ist. Das raumschiffähnliche Superstadion, das einer Vision des Bürgermeisters für die Olympischen Spiele 76' entsprang, war aufgrund diverser Probleme erst elf Jahre nach den Spielen fertig. Das Dach, obwohl aus Kevlar gefertigt und wie ein Regenschirm konstruiert, sollte sich nur einmal öffnen und nie wieder schließen. Auf die Geschichte der krummen Fingers spricht man die frankophonen Kanadier hier besser nicht an.
Doch nicht nur für diese kuriosen Bauten ist Mon(t)real berühmt. (Die Quebecois sprechen das t nicht aus.) Vielmehr hörte man zu einer Zeit, in der ich noch nicht in dieser Welt weilte, von einem Abkommen, das als Meilenstein in die Geschichte des Umwelt-Völkerrechts einging.
1987 verpflichtetn sich nämlich die Unterzeichnerstaaten des Montrealer Abkommens zur Reduzierung und schließlich zur vollständigen Abschaffung der Emission von chlor- und bromhaltigen Chemikalien ( z.B. FCKWs) , die für die Entstehung von Ozonlöchern verantwortlich sind.
Es ist ungewöhnlich für einen völkerrechtlichen Vertrag und bedeutet einen starken Regelungsmechanismus, dass diese Listen mit Zweidrittelmehrheit geändert werden können, also ein Staat auch gegen seinen Willen eine völkerrechtliche Verpflichtung auferlegt bekommen kann. Die Staaten bekennen sich im Montrealer Protokoll zu ihrer Verpflichtung, „geeignete Maßnahmen zu treffen, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt vor schädlichen Auswirkungen zu schützen, die durch menschliche Tätigkeiten, welche die Ozonschicht verändern, wahrscheinlich verändern, verursacht werden oder wahrscheinlich verursacht werden“
Mit diesem Abkommen wurde, soweit ich weiß, das erste mal international die Initiative ergriffen und ein Reglement geschaffen, dass den Ausstoß von spezifischen Chemikalien verbot und unter Strafe stellte. Auf dem großen Klimagipfel Ende des Jahres werden die Staaten dieser Erde zusammen kommen, um gemeinsam Mittel und Wege beschließen, den Klimawandel gemeinsam zu vermindern, wenn man ihn denn nicht mehr stoppen kann.
Man sieht: In einer Stadt mit gekrümmten Finger, ist so einiges möglich. Also, krümmt eure Finger für Kopenhagen!