3.Juli 2009
Ich fliege gerade in einer Boeing 777 über den Atlantik und habe mir so den Titel „Klimaferkel“ verdient, denn mit dem Flug von Frankfurt nach Toronto bin ich für den Ausstoß von 1,77t Kohlenstoffdioxid mitverantwortlich.
Auf den Titel bin ich natürlich nicht stolz, denn der Klimawandel stellt eine ernsthafte Bedrohung der Ökosysteme dar. Die weitaus größte Belastung des motorisierten Reisens geht nicht etwa von Autos, sondern von Flugzeugen aus, weil sie Treibhausgase weit oben in der Atmosphäre abgeben.
Am Himmel herrscht Hochbetrieb – und das hat negative Folgen für das Klima. Der Flugverkehr trägt heute bis zu 10 % zur globalen Erwärmung bei. Allein die hohen Schleierwolken und Kondensstreifen können lokal stärker zur Erwärmung der Erde beitragen als alle anderen von der Menschheit verursachten Treibhausgase. Solche lokalen Effekte kann man nicht ausgleichen, weil niemand die Wolken vom Himmel holen kann. Soweit: So Logisch. Nur etwa fünf Prozent der Menschen sind schon einmal in der Luft gewesen. Ich gehöre wohl zu dieser Minderheit, die immer häufiger fliegt und hauptsächlich in Industrieländern wohnt.
Die Statistiken lesen sich erschreckend: 2 Personen, die von Europa nach USA fliegen, tragen zum Klimawandel so viel bei wie der gesamte Jahresverbrauch an Gas und Strom eines durchschnittlichen Haushalts. Doch sollte man deshalb ganz auf das Fliegen verzichten?
Verantwortungsbewusste Traveller haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder die Zahl ihrer Flüge möglichst gering halten oder die unternommen Flüge durch ein Programm für das Klima auszugleichen. Kompensationsprogramme von Organisationen wie www.climatecare.org und www.carbonneutral.com bieten die Möglichkeit, durch einen CO2-Rechner erst den Anteil an der Erderwärmung zu bestimmen und dann umwelterhaltende Projekte zu unterstützen (Aufforstung des Regenwalds, Initiativen zur Senkung des Energiebedarfs in der Zukunft)
Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob es sich bei einer Annahme einer Spende von einem Urlauber, der zum Baden nach Thailand fliegt, nicht von modernen Ablasshandel sprechen lässt. Wirklich neutralisieren lassen sich die ausgestoßenen Treibhausgase nämlich nicht.
Es sollte vielmehr der Preis für die Umwelt mit in das Ticket einberechnet werden. Dann würde es sich Mancher dreimal überlegen, ob der Wochenendausflug unbedingt nach Mallorca führen muss. Die Billigflieger sind nicht nur kleine Treibhausschweine, sondern der klimatische Tod auf Raten.
Dadurch, dass ich nun viele Monate in Kanada bleiben werde und mich auch im Umweltschutz engagiere, habe ich kein schlechtes Gewissen. Doch denkt auch jemand, der in den Ferienflieger steigt über die Folgen seines Flugs nach?