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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Alte Bekannte am Wrack der USAT Liberty

Spricht man von der Bucht von Tulamben, so spricht man zwangsläufig auch vom Wrack der USAT Liberty, das hier in einer Tiefe zwischen 10 und 30 Metern in optimaler Tauchtiefe liegt. Das US-Versorgungsschiff wurde 1942 in der Strasse von Lombok von einem japanischen U-Boot torpediert. Um die Ladung zu retten, wurde es in letzter Konsequenz mit voller Kraft an Land, in die Bucht von Tulamben, gesetzt. Dort lag das ca. 130 Meter lange Schiff bis 1963 und verrottete langsam vor sich hin, bis in jenem Jahr der Vulkan Gunung Agung ausbrach. Dessen Lavastrom schob das Wrack ins Meer an die Stelle wo es auch heute noch liegt. Dass dieses Unglück, bei dem die gesamte Besatzung am Leben blieb, die Geschichte des Örtchens und wohl auch das Ökosystem der Bucht derart verändern sollte, konnte damals noch keiner ahnen. Mittlerweile hat sich das Wrack in ein belebtes, mit Hart und Weichkorallen bewachsenes Riff verwandelt. Seine Nischen und Laderäume bieten zudem Unterschlupf für vielerlei Fischarten. Es belebt die ganze Bucht von Tulamben. Das Wrack ist aber auch ein interessanter Indikator. Beginnt hier in Bali die Hochsaison, so reisen Tauchsportbegeisterte  der ganzen Insel an, um einen Tauchgang an diesem Wrack zu absolvieren. Es kommen hier schnell über 100 Taucher zusammen, die dieses Wrack täglich betauchen. Seit meinem letzten Besuch vor fast 10 Jahren, war ich deshalb gespannt, in welchem Zustand ich das Wrack antreffe. Das Ergebnis war verblüffend. Ich konnte keine negativen Veränderungen feststellen! Ich fand Anemonen vor, die sich noch immer am selben Platz befanden, immer noch von der gleichen Art Clownfisch bewohnt. Wunderschöner Weichkorallenbewuchs an der gut durchströmten Längsseite des Wracks. Unter Tauchern seit Jahren berühmt ist das Vorkommen einer Gruppe von Büffelkopf-Papageifischen. Diese Tiere sind mit bis zu 1,3 Metern Körperlänge die größten Ihrer Art, weltweit jedoch nur noch selten anzutreffen. Im Wrack der Liberty haben sie ihr zu Hause. Ein imposanter Anblick, wenn man sie früh morgens antrifft, wenn sie das Wrack in einer Herde von mehr als 20 Tieren verlassen und den Tag in den „Weidegründen“ der Bucht verbringen, um abends wieder zum Wrack zurückzukehren. Auch andere „alte Bekannte“ traf ich nach dieser langen Zeit an. Ein riesiger, alter Barrakuda von beeindruckender Gestalt wählt noch immer das Wrack und die Bucht als sein zu Hause. Immer noch ziehen Schwarzspitzenhaie durch den Korallengarten. Ein schöner Schwarm Gelbstreifen Füsiliere und ein großer Schwarm Makrelen gehören ebenfalls zu den „alt Bekannten“ der Bucht. Gestern traf Roger, der Leiter der Tauchbasis im Tauchterminal, sogar auf einen Mondfisch! Selten gewordene große braune Zackenbarsche und die interessanten Schaukelfische, die zur Tarnung ein im Wasser treibendes Blatt imitieren. Fühlen sie sich bedroht lassen sie sich von der Dünung von der linken auf die rechte Körperseite fallen. Vor zehn Jahren gab es einen Felsen in drei Metern Tiefe – mit einer großen Anemone, einem Schwarm Glasfischen und von zwei bis drei Schaukelfischen bewohnt. Der Felsen war noch da, die Glasfische waren noch da und drei Schaukelfische saßen noch am gleichen Ort. Fast schon verrückt! Diese Fakten lassen mich nachdenken, über Tourismus, Naturschutz und die Zerstörung von Lebensgrundlagen. Zehn Jahre wurde diese Bucht rege betaucht – das Wrack extrem stark. Und doch hat sich nichts Gravierendes geändert, weil man auch im Umfeld der Bucht nichts Nennenswertes verändert hat. Gefischt wird hier nicht, da der Tauchtourismus eine bessere Einnahmequelle der lokalen Bevölkerung vor Ort ist. Auch das ist ein wichtiger Schlüssel. Bei großen Mengen von Tauchern mag durch ungeschickte Tarierung, die ein oder andere Koralle leiden. Doch sie sind nicht das eigentliche Problem, so lange es nicht in grenzenlosen Kommerz ausartet, wo nur noch Gewinn zählt und ganze Küstenabschnitte für Hotelprojekte umgestaltet werden, wie vielerorts in Ägypten. Tulamben ist ein Beispiel wie es funktionieren kann, wie Tourismus sogar helfen kann, unter Einbindung der Bevölkerung vor Ort,  Natur zu bewahren. Verglichen mit der Überfischung, Plünderung und Vermüllung unserer Meere, sind leider auch das nur Themen am Rande. Mehr Fotos und Berichte finden Sie hier auf Reinhard Mink’s Blog. Für alle Bilder gilt: © Reinhard Mink

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre