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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Ein Tag als Naturfotograf in den Regenwäldern von Tambopata

Es ist stockfinster und aus den Tiefen des Waldes kommt ein tiefes Brüllen, das einem Donnergrollen gleicht. Dahinter versteckt sich jedoch kein Monster, sondern nur ein paar Brüllaffen. Sie markieren damit ihr Revier und lassen mich wissen, dass die Sonne gleich aufgeht. Ein neuer Tag beginnt hier auf Expedition in den Regenwäldern von Tambopata, Madre de Dios und ich kämpfe mich  verschlafen aus dem Bett und unter dem Moskitonetz hervor. Tage als Naturfotograf im Regenwald sind lang, denn anders als ich schläft der Wald nie. Gummistiefel an und los! Es geht runter zum Fluss und zu einer Lehmlecke nur ein paar hundert Meter flussabwärts. Kurz nach Sonnenaufgang finden sich hier verschiedenste Papageien ein, um Lehm zu fressen, eines der spektakulärsten Farbenspiele im Dschungel. Ein guter Start in den Tag, aber eben nur der Anfang! Nach den Papageien wandern wir für eine knappe Stunde durch den Wald, bis wir zu einem der Altarme des Tambopata Flusses kommen. Diese Waldseen bilden sich nur dort, wo ein Fluss sich noch ungehindert durch die Landschaft winden kann. Sie sind ein besonderes Habitat und das zu Hause einer der charismatischsten Arten Amazoniens: der Riesenotter. Diese bis zu 180 cm großen Otter leben in Familiengruppen, wobei eine Familie einen ganzen See für sich beansprucht. Versteckt am Ufer wartet ein Kanu, mit dem wir uns auf Schleichfahrt begeben. Man darf sich nichts vormachen, an die Otter können wir uns nicht anschleichen, sie sehen uns noch bevor wir sie entdeckt haben. Ihr lautes Schnaufen und Käckern, das uns als Warnung dienen soll, zeigt uns erst an wo sich die Tiere befinden. Jetzt ist Geduld und Glück gefragt – wollten die Tiere ihre Ruhe, hätten wir keine Chance sie zu verfolgen. Glücklicherweise sind wir selbst eine Attraktion, und als Gruppe trauen sich die Tiere an uns heran um uns genauer zu beäugen. Für eine Weile beobachten sich beide Fraktionen gespannt, dann scheinen wir langweilig geworden zu sein und die Otter beginnen mit ihrer täglichen Fischjagd. Mit einigen Fotos im Kasten geht auch meine Jagd weiter, denn der Regenwald hat noch viel mehr zu bieten als Papageien und Otter. Bevor wir den See verlassen geht es zu den Hoatzins am Ufer. Das sind große, plumpe Vögel, die in der Ufervegetation Blätter fressen. Sie sehen völlig absurd aus, mit kleinen Köpfen auf dicken Körpern, dazu noch einen hoch aufgerichteten Schopf auf dem Kopf und blaue Haut um rote Augen. Sie können kaum fliegen und kraxeln unbeholfen durchs Geäst, dabei machen sie viel Lärm, wackeln an Ästen und krächzen laut. Sorgen müssen sie sich nicht wirklich machen, sie schmecken abscheulich und haben daher kaum Fressfeinde. Auf dem Weg zurück ins Camp kommen wir immer wieder an gewaltigen Baumriesen vorbei, mit meterhohen Brettwurzeln, über und über mit Lianen behangen. Ein Zirpen, das eher an Vögel erinnert, reißt mich aus etwaigen Tarzen-Tagträumen, und plötzlich sehe ich mich Auge in Auge mit einem kleinen Kobold. An einem dünnen Baumstamm, keine fünf Meter vor mir, hängt ein Tamarin, das sind winzige Äffchen von der Größe eines Eichhörnchens. Eine willkommene Überraschung!

Tamarin

Mit bereits unzähligen Fotos im Kasten geht’s zum Mittagessen, ein Berg Reis mit Bohnen stärkt für den Nachmittag. Weiter geht´s mit einer Blattschneiderameisenkolonie. Während in der Mittagshitze die meisten Tiere ruhen, sind diese Ameisen hoch aktiv und damit beschäftigt Blätter kleinzuschneiden und in ihren gewaltigen Bau zu tragen. Nachmittags gehen außerdem wie ein Uhrwerk die Zikaden los und überschallen mit ohrenbetäubendem Lärm alle anderen Tiere. Erst ein kräftiges und kurzes Gewitter mit unglaublich starkem Regen lässt sie verstummen. Jetzt in der Regenzeit gibt es diese Schauer fast jeden Tag und sie sind eine willkommene Abkühlung. Man ist eh den ganzen Tag durchnässt von Schweiß und so stört einen der Regen nicht im Geringsten, im Gegenteil. Das Gewitter zieht weiter und die Abendsonne kommt durch. Ein unglaubliches Landschaftsbild ergibt sich, als die dunklen Wolkenmassen in der Ferne vom goldenen Abendlicht getroffen werden und sich der Tambopata darunter durch schier endlose Regenwälder schlängelt. Wie auch der Sonnenaufgang, geht der Sonnenuntergang sehr schnell, und zack ist es wieder dunkel im Wald. Die Vögel und Zikaden verstummen, aber gleichzeitig legen jetzt vor Allem die Frösche los. Es ist nie still im Wald, und doch ist es ein unglaublich friedlicher Ort hier, fernab von der Zivilisation. Wir setzen uns die Stirnlampen auf und suchen nach den nächtlichen Bewohnern des Waldes. Im Laub huschen handgroße brasilianische Wanderspinnen umher, auf Blättern findet man immer wieder verschiedenste Laubfrösche, die einen mit riesigen Augen anstarren und mit etwas Glück stolpert man auch über eine der dutzenden Schlangenarten. Fotomöglichkeiten wohin man nur schaut, aber irgendwann geht es einfach nicht mehr und ich schlafe beim Laufen fast ein. Müde und glücklich krabbele ich unters Moskitonetz und schlafe ein mit einem wunderschönen Froschkonzert im Ohr. Bis mich die Brüllaffen wieder unsanft aus dem Schlaf reißen und einen neuen Tag mit neuen Tieren einläuten. Kein Tag hier ist wie der andere, und immer wieder stolpert man über Waldbewohner, die man niemals zuvor gesehen hat. Die Fülle an Leben und Vielfalt ist kaum vorstellbar. Eine Sache haben jedoch alle Tiere hier gemeinsam: Sie brauchen diese unberührten Wälder zum Überleben. Darum bin ich stolz und froh, dass wir mit Wilderness International dazu beitragen, diesen unglaublichen Quell des Lebens zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten. -Fabian Mühlberger

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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