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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Eindrücke von Vancouver Island

Hallo, ich bin Bernd, Sozialwissenschafter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit Arbeitsschwerpunkten nachhaltige Entwicklung, Flächenhaushaltspolitik und Wasserwirtschaft. Ich unterstütze auf unserer kleinen Expedition unsere Naturwissenschaftler bei ihrer Datenerhebung und sammle darüber hinaus Eindrücke über das Land und wie die Menschen damit umgehen. Davon möchte ich ein bisschen erzählen: Gestern sind wir längs durch Vancouver Island gefahren, eine Insel etwa so groß wie Sachsen und Thüringen zusammen. Überall steht Wald, es gibt kaum Städte oder Dörfer. Der Wald sieht, wenn man nicht so genau hinschaut, aus wie in unseren deutschen Mittelgebirgen, nur mit dem Unterschied, dass zwischendurch immer wieder riesige Flächen frisch gerodet oder mit sehr jungen Bäumen bewachsen sind. Der Flickenteppich zieht sich über Berge und Täler, gegliedert durch ein engmaschiges Netz von Forststraßen. Auf den Straßen sieht man immer wieder große Langholzlaster, voll beladen in die eine Richtung, leer in die andere. Ein Land lebt vom Wald. Was für ein Unterschied zu Koksilah, diesem vergleichsweise winzigen Gebiet in der Nähe von Duncan, in dem wir unsere ersten Tage verbracht haben. Dort standen uralte Baumriesen, mit Flechten behangen. Eine dicke Moosschicht mit Farnen bewachsen überwucherte den weichen Humusboden. Überall liegen kreuz und quer 30 bis 50 Meter lange Baumruinen, auf denen man herrlich balancieren kann und schneller vorwärts kommt als durch das zuweilen dichte Unterholz. Die fragilen Flechten und Moose erscheinen unberührt, nur ein schmaler Trampelpfad führt hindurch. Ein echter Urwald. Aber es braucht nur 10 Minuten, um von einem Ende zum anderen zu laufen. Gestern sind wir sechs Stunden durch eintönige Waldmonokulturen mit dem Auto gefahren. Das gibt ungefähr die Relation zwischen bewirtschaftetem Forst und Urwald wieder. Unglaublich, dass auch Koksilah kurz vor der Rodung stand. Im Jahr 1989 weigerten sich zwei Holzfäller, die 700 Jahre alten Douglasien und Riesenlebensbäume zu fällen. Die große Aufmerksamkeit, die diese Aktion auf sich zog, hinderte das Forstunternehmen daran, ihre Pläne zu vollenden. Aber noch immer schwebt das Damoklesschwert der Rodung über diesem einzigartigen Flecken. Das Forstunternehmen wurde vor Kurzem von einem Pensionsfond aufgekauft. Wer weiß, ob der Fond sich um die alte Geschichte der beiden Holzfäller schert, die Ehrfurcht vor den alten Bäumen hatten. Wir können nur hoffen, dass es endlich gelingt, Koksilah dauerhaft unter Schutz zu stellen.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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