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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Eine erfolgreiche Pause

Pascale

Es ist soweit: Der erste offizielle Ruhetag der Expedition beginnt und zwar mit ausschlafen! Nachdem wir vor zwei Tagen um 3:00 Uhr raus sind, nutze ich die ersehnte Chance, bis die Morgensonne so auf unsere Zelt knallt, dass es zu warm wird um sich darin aufzuhalten. (Das Zelt erinnert übrignes vielmehr an eine Mischung aus Tipi und Schloss und ich muss bei seinem Anblick immer an das Zelt von Arthur Weasley (aus Harry Potter) denken.) Als ich dann aus diesem rausschaue und das Tobatal sehe, welches ich seit Monaten allen Bekannten auf Postkarten zeige, freue ich mich einfach hier zu sein. Mit den schneebedeckten Bergen, dem plätscherndem Wasser und den vollen, grünen Wäldern ist es nicht so schön wie ich es mir vorgestellt habe; es ist tausendmal beeindruckender und zu wissen, dass Wilderness International dieses Stück Wildnis für immer geschützt hat, verstärkt meine Freude umso mehr. Als wir kurz darauf alle zusammen unser ‚Essensritual‘ ausführen, weiß ich, dass ich diesen Ort und diese Leute niemals vergessen werde.

Weil das Frühstück fast noch besser ist als in der Strathcona Park Lodge, vermisse ich den Ort, den wir erst gestern verlassen haben zwar nicht weniger, aber ich weiß, dass es mir hier mindestens genauso gut gefallen wird. Zudem kommt auch noch, dass ich es vor dem Mittagessen schaffe, drei Liter Wasser zu trinken: Ein persönlicher Rekord! Und eine der einzigen Methoden, den ausmaßen der Hitze zu entkommen… Wir haben nämlich noch keinen richtigen Schatten und deswegen haben wir auch an unserem Ruhetag noch etwas sehr wichtiges zu erledigen: ein Tarp muss errichtet werden damit wir (und auch unser Essen) einen kühlen, schattigen Ort haben. Gar nicht so leicht, bei den Mengen an Essen aber mit Teamwork schaffen wir es. Ich verstehe bei dem Anblick des Essens (und vor allem der Menge!) auch, warum alle Leute aus Kanada zurückkommen und zunehmen; verhungern werden wir sicher nicht! Das Mittagessen (ja, heute scheint sich wirklich alles ums Essen zu drehen…) erinnert an zu Hause: es gibt Kartoffelsalat. Der Dosenlachs ist mir aber neu, und ich bin total verwundert, dass man die Gräten mitessen kann. Total super, weil ich die sonst immer verschlucke!

Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause eröffnet Hannes eine Schlammschlacht, in der wirklich alle Teilnehmenden komplett mit braun-grauem, kühlem Schlamm bedeckt werden. Ich selber beobachte das Geschehen aus sicherer Entfernung: Der prallen Mittagssonne will ich noch etwas entkommen und außerdem bin ich beim Tagebuch schreiben noch ein paar Tage hinterher. Dabei überlege ich mir, was wohl die Tiere bei einem solchen Anblick denken würden. Spontan kommt mir Tarzan in den Sinn, bis mir bewusst wird, dass unsere Mission eigentlich das komplette Gegenteil ist, schließlich haben wir dieses Stück Wildnis geschützt! Aber wissen das auch die Tiere, wenn sie hier eine Horde Menschen sehen, die sich gegenseitig mit so viel Schlamm wie möglich bewerfen? Beim Reiten heißt es, dass sich Emotionen auf das Pferd übertragen, also könnte es ja sein, dass auch die Wildtiere die riesige Freude und den Spaß der Gruppe bemerken. Auf mich übertragen sich diese Gefühle auf jeden Fall, und ich denke mir: „noch einen Satz, dann mache ich mit!“ Pustekuchen. Nach zwei Worten schlafe ich über meinem Notizbuch ein, und als ich aufwache sind alle anderen erschöpft, schon wieder sauber, und knabbern genüsslich an einem Snack.

Der Ruhetag hat uns allen wirklich gutgetan und trotz des vielen Spaßes und der wunderschönen, neuen Erlebnisse, ist Kanada auch total anstrengend. Deswegen haben wir mit dem Ruhetag auch auf gar keinen Fall Zeit verschwendet, denn um weiterhin erfolgreiche Umweltbotschafter zu sein, müssen wir zwischendurch auch mal eine Pause einlegen.

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