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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Titanic mit Happy End

Johannes Ich werde geweckt von Tobi, er sagt es sei Wasser im Zelt. Ich schaue es mir genauer an und sehe nur eine kleine Pfütze im Vorzelt, aber das klitzekleine Problem ist, dass es immer noch weiter regnet. Ich denke, dass wir handeln müssen und wecke die anderen. Kai, Kathi, Hannes und die Medientruppe sind auch schon wach. Wir teilen uns auf. Ein Teil der Truppe baut die Zelte ab, um diese zu einem erhöhten und weit vom Fluss entfernten Wäldchen zu bringen und der zweite Teil verstaut die Nahrungsmittel und bringt sie zum selben Ort. Nach einer Stunde haben wir alles im sicheren und trockenen Wäldchen. Aber jetzt beginnt erst der richtige Teil der Arbeit: das Camp im engen, dichten Wald wieder aufbauen. Ich bin ein wenig traurig, dass wir das alte Camp verlassen mussten, denn dort war alles so schön eingerichtet. Aber in dieser Situation hilft rumjammern nicht, also einfach anpacken, damit dieses Camp noch schöner wird als das letzte. Nach vielen Stunden und viel Schweiß haben wir es geschafft. Jetzt heißt es erst mal Abendbrot machen: leckere indische Suppe. Beim Essen schmeckt es allen, was mich sehr freut, da ich mit gekocht habe. Leider fängt es wieder zu regnen an, aber nach ein paar Minuten lässt der Regen nach und wir werden mit einem doppelten und farbintensiven Regenbogen belohnt für die harte Arbeit. Nun sitzen wir am Feuer und lassen den Abend mit Marshmallows und Keksen ausklingen. Meine letzten Gedanken: Es war ein stressiger Tag aber er war wundervoll, da sich der temperierte Regenwald von seiner besten Seite gezeigt hat und wir viele Naturschauspiele gesehen haben. Titanic mit Happy End, ganz privat  Der 19. Juli war sicherlich einer der aufregendsten unserer Reise und so wollen wir an dieser Stelle im Blog ein paar Auszüge aus Pascales privatem Tagebuch einfügen. Es ist etwa 5 Uhr früh, die Situation ist wie folgt: Das Camp auf der Sandbank steht unter Wasser. Tobi bemerkt  die Flut als Erster. „Ich wache auf und mein Kopf ist nass!“. Zum Glück schläft Tobi mit dem Kopf an der tiefsten Stelle! Ohne seine Reaktion hätte unser spontaner Umzug wohl wesentlich später begonnen. Sofort erkennt er den Ernst der Lage und ruft: „Wir stehen im Wasser! Aufwachen!“. Nach heftigem Rütteln wacht auch Johannes auf, der den Kopf aus dem Zelt steckt als gerade die Küchenbox gemütlich vorbeischwimmt. Während einige von uns bereits aktiv und munter sind, liegt Lina noch im Zelt und verflucht Tobi, der sich immer noch bemüht, alle lautstark aufzuwecken. Auch Pia kann die plötzliche Hektik nicht einordnen und nimmt an, es regne bloß ins Zelt rein. Felix ist schneller auf den Beinen, er sieht die Situation etwas kritischer, wenn auch nicht ganz so wie Thekla, die halb lachend und übertrieben mit einem Gebet: „Ich will nicht sterben!“ reagiert. Natürlich war die Über­schwemmung unseres Camps im Nachhinein betrachtet nicht ganz so ernst, aber wenn die Zelte im Wasser stehen, ist das zuerst doch etwas beängstigend! Mich selbst beschäftigen zuerst die Gedanken an mein Notizbuch mit all meinen Erinnerungen, den Camp-Insidern, den gesamten Lied-Texten der Expedition, das ich abends zuvor in der Campküche neben meinem Geschirrbeutel auf dem Sandboden liegen lassen. Also schnell alles in den Rucksack packen und barfuß ab in die Küche, wo das wertvolle Notizbuch natürlich erst mal nicht mehr am gleichen Ort liegt. Schließlich finde ich es aber doch schwimmend neben den Bear-barrels Zum Glück nutzen wir alle wasserfeste Notizbücher! Auch Jette vermisst etwas: das hochwichtige Pelicase mit der Technik! Am Vorabend war sie mit Blog-schreiben dran gewesen und hatte das iPad mitsamt Pelicase ins Vorzelt gestellt. Ob es wohl mit unseren Schuhen davon geschwommen ist? Später meinte Jette dazu: „Ich hatte in dem Moment richtig viele Schimpfwörter im Kopf – in Bezug auf die Flut und nicht auf das Pelicase.“ Zur gleichen Zeit wacht Boas „schwimmend“ auf. Er watet zu Ronny und Robert und fragt, ob sie ihm Asyl gewähren würden. „Ich will die anderen nicht aufwecken“. (Normalerweise ein netter Gedanke, in unserer Situation jedoch nicht ganz so hilfreich …) Robert bemerkt Boas und sagt später „Ich wollte ihm Asyl gewähren… bis ich ihn sah. Er war dreckig und klatschnass“. Auch Ronny lehnt den Antrag ab und in dem Moment fragt sich Boas, warum er eigentlich nicht Bankangestellter geworden ist…., Boas! Nebenan werden nach und nach auch die anderen munter, manche schneller und mit mehr Verständnis als andere. Sami wacht mit einem leicht verwirrten Blick auf, der sich allerdings schnell in tatkräftige Unterstützung umwandelt. Gudrun und Charlotte hingegen wollen eigentlich lieber weiterschlafen. Nachdem sie sich im Schlafsack ausgiebig geräkelt hatte, dachte Gudi nur: „Es gibt noch lange keinen Grund zum Aufstehen“ und als sie dann doch raus musste, stellte sie sich erst mal die Frage „Sandalen mit oder ohne Socken?“ Auch Hannes macht sich, nachdem er als erstes nach der Zeit geschaut hat (es war 5:15 Uhr, eine Information, die ihm in dem Moment nicht wirklich geholfen hat…), Gedanken über Kleidungsstücke: er sucht (mal wieder) seinen Hut, welchen er vorher schon einmal im Wald verlegt hat und den er jetzt immer bei sich hat. Kathi ärgert sich, dass es wieder nicht mit Ausschlafen geklappt hat. Ging uns das nicht allen so? Schnell setzt ihr rationales Denken wieder ein und sie packt alles so trocken wie möglich zusammen und läuft schnurstracks (natürlich erst nachdem sicher gestellt ist, dass alle in Sicherheit sind) in die Küche, um zu retten, was dort noch zu retten ist. Auch Kai freut sich über Kathis Einsatz, jedoch war er nach dem Wecken wieder eingeschlafen und erwachte erst, als unter der Wanne seines Zeltes schon richtig Wasser stand. Er berichtet: „Die Übelkeit der Seekrankheit überkam mich und ich erwachte, schwimmend auf meiner Isomatte. Dann dachte ich ‚Super, Kathi managed die Küche!'“ Allerdings macht er sich doch ein wenig Sorgen darüber, ob auch sein geliebtes Getränkepulver gerettet werden würde. (Die Geschichte dazu: Kai trinkt gerne ein Pulver, welches wir unterdessen „Kais Super-G“ getauft haben. Jedoch ist er der einzige Liebhaber davon und kein anderer versteht, warum wir dieses ‚Zeug‘ dabei haben und auch noch retten sollten …). Ähnlich ergeht es Gudrun, die, nachdem das Sandalenproblem geklärt war (ohne Socken war die bessere Entscheidung), sehnlichst hoffte, dass vor allem der Kaffee mitge­nommen werden würde. Später sollte sich herausstellen, dass wir tatsächlich fast kein Essen verloren haben! Wir sind alle froh, dass auch der Kaffee heil angekommen ist – denn mit sind viele morgens fröhlicher als ohne! Tatsächlich konnten wir fast all unsere Sachen retten. So fand Jette auch das Pelicase später auf dem Haufen mit allgemeinem ‚Zeug‘ wieder, gleich neben unsere Schuhen: nass, aber alle beisammen. Obwohl wir an diesem Morgen wohl alle lieber weiter geschlafen hätten, ist dieser Tag ein echt abenteuerliches Erlebnis gewesen, das wir super gemanaged haben (an dieser Stelle ein Lob an das gesamte Team) und von dem wir sicherlich noch in vielen Jahren erzählen werden. #1 Johannes – kompfortable Sandbank verlassen durch Flut – früher Umzug auf hochgelegenes Wäldchen – trocknen – großes Feuer – leckeres Essen – viel Umbauarbeit am Abend – Regenwaldlightshow mit doppelten Regenbogen. #2 Thekla – magischer Ort – Vermessen – witziger Filmdreh – ungewolltes Schlammbad – Heulen verbindet – „super“ Stockbrot zum Abendessen
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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre