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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Unvergessliche Momente

Nicht nur, dass ich Porcher Island in diesem Jahr bei gutem Wetter erleben darf (= ohne Regen und auch immer wieder mit blauem Himmel und Sonnenschein), nein, es bieten sich uns hier gleich am ersten Tag zahlreiche Momente, die ich nie vergessen möchte: Am Morgen genieße ich den mir vertrauten Strand bei besonders tiefer Ebbe (wir hatten gerade Vollmond und haben einen Tidenhub von ca. 6 m) mit einer heißen Kanne Tee und in unvergleichlicher Ruhe. Dabei werde ich von zwei Weißkopfseeadlern beobachtet, die majestätisch über mir kreisen. Nach einem späten gemeinsamen Frühstück machen wir vier uns auf eine erste Erkundungs­tour durch „unser“ Stück Wildnis an der kanadischen Küste. Schon am Strand staunen wir über hunderte von Seevögeln und die Fundsachen: Mondschnecken, Adlerfedern, viele große Muscheln, gigantische tote Käferschnecken und bizarre Holzstücke, dazwischen aber auch immer wieder angeschwemmte Plastikflaschen und dann eine große grüne Glaskugel – eine alte japanische Fischernetzboje! Dann lässt uns einer der Raben, die uns auf der Insel immer wieder mit ihren Flugkünsten und seltsamen Lauten in Erstaunen versetzen, bis auf etwa 4 m an sich heran, sodass Sami tolle Bilder schießen kann. Ich freue mich über das Wiedersehen mit meinem geliebten „Wollgrasmoor“ und einigen sehr markanten uralten Baumriesen. Durch diese kann ich tatsächlich alle wichtigen Flächen auch ohne GPS wieder finden. Dabei verliere ich allerdings teilweise den im letzten Jahr getrampelten und relativ trockenen Weg zum „Schmetterlingshügel“ (hier hatten im letzten Jahr die Nachtfalterzählungen stattgefunden). Dies hat leider zur Folge, dass Hannes plötzlich ca. 80 cm kleiner ist: er steckt bis zur Hüfte in einem der moosbedecken versteckten Wasserlöcher. Oben auf dem Moor sind wir einfach nur überwältigt von dessen rauer Schönheit. Wir bestaunen die vielen kleinen weißen Enziane (Gentiana douglasiana) und die klebrigen Binsenlilien (Tofieldia glutinosa), die in diesem Jahr zahlreich blühen. Fred freut sich besonders über den schon in Blüte stehenden Grünen Germer (Veratrum viride), der gerade von einigen kleinen Schnellkäfern bestäubt wird. Und mir selbst geht das Herz über, als ich vier Kraniche über das Moor fliegen sehe. Um uns herum schimmern die Moospolster in vielen Grün-, Braun- und Orangetönen, gefleckt mit dunkelroten Polstern und unterbrochen von kleinen und größeren Wasserflächen. Dazwischen finden wir Moltebeeren (Rubus chamaemorus) und schwarze Krähenbeeren (Empetrum nigrum), von denen ich eine ganze Menge genieße. (Danke, Fred, für die vielen botanischen Erklärungen!) – Und die herumschwirrenden Gnitzen bescheren mir viele Stiche/Bisse: eine spätere Zählung wird an den „sichtbaren Stellen“ 93 ergeben. Zurück am Strand können wir ein etwa fünfstündiges Farbenschauspiel am Himmel beiwohnen, das jedes Fernsehprogramm in den Schatten stellt! Wolkenformationen und die langsam sinkende Sonne verwandeln das Meer und den Himmel in rosa, gelb und leuchtend hellblau schimmernde Flächen. Am Horizont entstehen seltsame Gebilde: Luftspiegelungen lassen uns die Haida Gwais in ungewöhnlichen Formationen erscheinen. Hinter uns untersucht ein vorwitziges Eichhörnchenkind unser Kompostloch („Bear Trap“). Es lässt uns ganz nach heran und klettert schließlich über den am Boden liegend fotografierenden Hannes an meiner Hose hoch auf meine Schulter. Minutenlang turnt es auf mir herum, probiert auch mal meinen Finger, versucht einige im Wind fliegende Haare zu fangen und lässt sich sogar streicheln! Wir genießen das abendliche Naturschauspiel am Himmel in vollen Zügen und verzehren nebenher unser Abendessen: Fred verspeist eine „fleischoide“ Dose „Schinken“, die noch vom letzten Sommer auf der Insel verblieben war. Hannes und Sami perfektionieren Stock­brot, indem sie Speck und Käse in den Teig einrollen und das Ganze gegen Ende noch mit Maple Butter bestreichen und dann karamelisieren lassen. Schließlich wird unser „Fernsehprogramm“ noch durch eine Gruppe von Orcas vervoll­kommnet, die langsam durch das bunt schimmernde Abendmeer gleiten und uns dabei immer wieder ihre Rückenflossen und einige Male sogar ihre Fluken sehen lassen. Was für ein Tag! DSC00771DSC00509DSC00329DSC00254

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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