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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Am Strand von Maunganui

Hallo liebe Wildblog-Leser, dieser Bericht handelt von einem Ereignis, welches es sogar in die negativen Schlagzeilen der deutschen Medien geschafft hat. Ein Schiff, ein Riff, ein Geburtstag, ein Unglück – so könnte man das Geschehene kurz zusammenfassen. Oder ausführlicher: Das Frachtschiff Rena, mit mehreren tausend Litern Öl und vielen Containern beladen, befindet sich vor der Küste Taurangas. Auf dem Schiff herrscht gute Stimmung, denn der Kapitän feiert seinen Geburtstag – natürlich wird darauf auch ordentlich angestoßen, währenddessen das Schiff von seinem ursprünglichen Kurs abkommt. Und dann geschah es: Das Schiff lief auf Grund und droht bis zum heutigen Tag auseinanderzubrechen. Von diesem Hergang gehen zumindest die aktuellen Untersuchungen aus – wirklich Genaues ist jedoch nicht bekannt und so ist natürlich auch völlig ungeklärt, wer die Kosten übernimmt. Als ich all die Nachrichten über diese Ölkatastrophe gelesen habe, war ich geschockt – in dieser einzigartigen Natur solch ein Unglück! Und für mich stand auch schnell fest, dass ich diese Region besuchen möchte, auch um eventuell als Helfer tätig zu werden. Und da stehe ich nun also, am Strand von Maunganui, in der Nähe von Tauranga. Die Sonne strahlt vom strahlend blauen Himmel, Surfer laufen den Strand entlang und springen in die Wellen, Touristen wirken fröhlich. Einzig Schilder machen darauf aufmerksam, dass hier nicht alles so wunderschön ist, wie es scheint. Ich blicke auf das Meer und sehe viele Schiffe der Marine sowie einige Hubschrauber, welche chemische Mittel versprühen. Und dort, ganz entfernt am Horizont! Tatsächlich kann ich den Frachter erkennen…und sogar andeutungsweise in welcher extremen Schieflage er sich befindet. Der Gegensatz von diesem Bild und all den fröhlichen Touristen um mich herum wirkt mehr als kurios. Für mich stellte sich nun die Frage: Kann ich hier helfen? Zunächst fragte ich in einem Surfclub nach, wo die Hilfsarbeiten organisiert werden, doch wurde ich mehr oder weniger unfreundlich darauf verwiesen, mich im Internet anzumelden. Dies wirkt doch etwas abschreckend. Daher lief ich zunächst den Strand entlang, ein viele Kilometer langer Sandstrand. Öl kann ich glücklicherweise keins erkennen. An einem Zeltplatz frage ich erneut bezüglich mithilfe bei Strandsäuberungen an, denn in jedem Shop ist zu lesen, dass dringend Helfer gebraucht werden. Und dieses mal scheint meine Anfrage erfolgreich zu sein, denn ich werde auf das Wildlifecenter verwiesen, wo es sicherlich auch für mich Jobs zum reinigen der verölten Tiere gibt. Am nächsten Tag ging es für mich zunächst erneut an den Strand. Dieses mal wirkt die Stimmung völlig anders. Mehrere hundert Helfer in weißen Anzügen säubern den Strand und bedrückt schauen die umstehenden Menschen auf das Meer. Ein Mann läuft an mir vorbei und sagt nur: „horrible“ Also ging es für mich gleich weiter zum Wildlifecenter. Überraschenderweise wirkten die Personen dort jedoch so, als wenn der erste Helfer seine Hilfe anbieten würde. Niemand wusste etwas Genaues. Ich wurde lediglich auf ein Formular verwiesen, was ich dann auch ausfüllte – man würde mich anrufen, wenn sie Hilfe bräuchten. Die kommenden Tage wohnte ich in Tauranga bei einem netten Ehepaar (Couchsurfing – Internetgemeinschaft zum Finden privater Gastgeber). In Fernsehen, Radio und Zeitung wurde dazu aufgerufen, doch als Volunteer tätig zu werden und beim Säubern der Strände mitzuhelfen. Angerufen wurde ich jedoch nicht. Über diese Tatsache war ich natürlich recht enttäuscht, da es sich anscheinend nur um organisatorische Dinge handelte, welche falsch liefen. Allerdings muss man dem gesamten Team vor Ort zu gute halten, dass es sich um die erste Ölkatastrophe in der Geschichte Neuseelands handelt. Folglich liegt also kein Plan vor, welcher vorgibt, wie alle Säuberungsaktionen abzulaufen haben. Des Weiteren können Helfer nicht einfach an den Strand geschickt werden. Zunächst muss eine kleine Ausbildung absolviert werden, damit man die Situation mit seiner Hilfe nicht noch verschlimmert. Für mich ging es daher auch bald weiter ins Landesinnere. So schlimm dieses Unglück auch ist, im Vergleich zu der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist die Küste vor Tauranga mehr als glimpflich davongekommen. Bei dem ausgelaufenen Öl handelt es sich „lediglich“ um ausgelaufenes Motorenöl, wovon der größte Teil sicher abgepumpt werden konnte. Glücklicherweise handelt es sich um keinen wirklichen Ölfrachter. Des Weiteren hören sich auch die letzten Nachricht sehr gut an, denn fast das gesamte Öl konnte nun aus dem Schiff abgepumpt werden. Auch die Strände können wohl in den kommenden Tagen wieder komplett freigegeben werden. Zugleich ist dennoch zu berücksichtigen, dass es mindestens fünf Jahre dauern wird, bis alle Folgen des Öls weitestgehend beseitigt sind. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Küste Taurangas trotz all der schlechten Auswirkungen mit einem eher blauen Auge davongekommen ist. Mittlerweile ist ein weiterer mich sehr prägender Monat vorübergegangen – somit gibt es demnächst schon einen weiteren Bericht. :) Soviel aus dem Land der langen weißen Wolken, in der Hoffnung, dass sich solch ein Ereignis nicht so schnell wiederholt. Viele Grüße Josef
12 Helfer versuchen den betroffenen Strandabschnitt zu reinigen
8 Der Sonnenuntergang zaubert eine wunderschöne Stimmung - es ist kaum vorstellbar, dass genau dieser Strandabschnitt am stärksten vom Öl betroffen ist.
2 Schilder machen auf die Gefahren des Öls aufmerksam
4 Hubschrauber versprühen chemische Mittel - ob das für die Umwelt gut ist, ist eine andere Frage...
10 Am nächsten Tag - Am Horizont ist der extrem schief liegende Tanker zu erkennen
6 Ein verstorbener Fisch

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre