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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Cowichanische Volksmärchen?!

Von zwei Männern, die eine ganze Nation „traumatisierten“ und einem Volk, das solche Männer dringend braucht… Als die Brüder Grimm im frühen 19. Jahrhundert begannen, deutsche Volksmärchen zu sammeln und aufzuschreiben, konnten sie nicht ahnen, dass ihre Aktivitäten Jahrhunderte lange Nachwirkungen haben würden. Diese sind sowohl positiver als auch negativer Natur. Jakob und Wilhelm Grimm konservierten einen Teil deutscher Kultur für die Nachwelt. Generationen wuchsen und wachsen mit ihren Märchen auf. Was wäre das Volk der Dichter und Denker ohne seine Volks- und Hausmärchen? Wahrscheinlich dem Wolf gegenüber wesentlich toleranter. Man spricht nicht umsonst vom „Rotkäppchen-Syndrom“ unter welchem die deutsche Bevölkerung seit der Wiederansiedlung des Wolfes in der Lausitz vermehrt zu leiden scheint. Der Wolf reißt Schafe, wenn nicht sogar Menschen und ist sowie von seinem ganzen Wesen her böse. So die Meinung vieler. Dem Bär, als Raubtier durchaus vergleichbar, schlägt nicht halb so viel Ablehnung entgegen. Der Abschuss des Braunbären Bruno im Jahr 2006 rief eher Betroffenheit als Erleichterung hervor. Sind an dieser Einstellung wirklich die Märchen schuld? Die Cowichan First Nations, ein Indianerstamm auf Vancouver Island, müssen sich diese Frage jedenfalls nicht stellen. In ihrer Mythologie nimmt der Wolf eine andere Rolle ein. Der Ausspruch „Brother Wolf“ kommt nicht von ungefähr. Doch die Cowichan First Nations sind ein Volk, welches sein Wissen von Generation zu Generation mündlich weitergegeben hat. Leider bröckelt nun unter dem Einfluss der Amerikanisierung dieser intergenerative Austausch. Die kanadischen Brüder Grimm gab es nie. Eine Kultur, die es verdient hat, bewahrt zu werden, droht in Vergessenheit zu geraten. Wir wollen mit einem Märchenbuch traditioneller Erzählungen der Cowichan unseren Teil dazu beitragen, dies zu verhindern. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, dass dem Wolf ohne die Märchen auch in unserem Kulturkreis eine weniger negative Rolle zukommen würde. Doch am Beispiel der Cowichan Tribes kann man sehen, dass es auch anders geht. Denn es ist offensichtlich, dass die Mythologie eines Volkes deren Einstellung zu bestimmten Aspekten des Lebens beeinflusst, positiv und negativ.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre