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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Geister des Riffs

… findet man in der Bucht von Tulamben und im indopazifischen Raum. Mit aufmerksamen Blick findet man sie hier bei jedem Tauchgang, in geringer Tiefe des vorgelagerten Korallengartens. Die Geister des Riffs sind weder schaurig noch furchteinflössend. Im Gegenteil, sie gehören zu den farbenprächtigsten Bewohnern der Unterwasserwelt. Geistermuränen! Zoologisch korrekt heissen sie Nasenmuränen. Gerade mal fingerdick ragen die maximal 1,2 Meter langen Tiere aus ihren Höhlen im dunklen Lavasand empor und recken ihr Haupt unentwegt in alle Himmelsrichtungen. Dabei öffnen und schliessen sie ständig ihr – im Verhältnis zur Körpergröße – grosses Maul, das von zwei ausgeprägten Nasenflügeln geziert ist. Allgemein sind Muränen – entgegen mancher Behauptung – ausnahmslos ungiftig und keinesfalls aggressiv. Das von Bildern bekannte aufgerissene Maul ist ebenso keine Drohgebärde sondern dient alleine der Atmung. Alle Muränen können sowohl rückwärts wie vorwärts schwimmen! Geistermuränen haben allerdings eine besondere Eigenart. Sie existieren nämlich in drei völlig unterschiedlichen Farbausprägungen. So findet man sie in schwarz mit gelben Flossensaum, im leuchtenden blau mit gelben Flossensaum und letztlich komplett in gelb gefärbt. Grund dafür ist eine aussergewöhnliche Eigenschaft:  Geistermuränen wechseln im Laufe ihres Lebens ihr Geschlecht. Alle Geistermuränen kommen als Männchen zur Welt und sind während ihrer Jugend schwarzgelb gefärbt. Ab einer gewissen Größe erreichen sie ihr adultes Stadium und färben sich in ein fantastisches leuchtblau! Noch immer sind sie von ihrem Geschlecht Männchen. Ob sich nur einige von ihnen in Weibchen verwandeln oder alle, scheint mir noch nicht hundertprozentig geklärt. Hier stösst man bei Recherchen auf vielerlei Darstellungen. In einigen Beschreibungen werden sogar die leuchtblauen Exemplare als Weibchen beschrieben. Da man hier in der Bucht vom Tulamben fast täglich auf die bunten Geister trifft, verkennt man schnell ihre Einmaligkeit. Das das Zwitterleben dieser Geschöpfe noch nicht wirklich aufgeklärt scheint verwundert nicht weiter, da eine erfolgreiche Nachzucht in Gefangenschaft noch nicht gelungen ist. Gute Informationen fand ich auf der Webseite des Kölner Zoos und dessen Aquarium, in denen eine Geistermuräne gehalten wird/wurde. Gleichermassen bedenklich, denn wenn der Kölner Zoo aus der Wildnis gefangene Tiere hält (man kann sie ja nicht nachzüchten) sollte zumindest darauf hingewiesen werden und vielleicht auch mal ein Wink an die Freunde der Aquaristik gegeben werden. Googelt man „Geistermuräne“ – so stösst man auf zahlreiche Aquaristik Seiten und Foren, in denen Geistermuränen wie Gebrauchtwagen gehandelt werden. An dieser Stelle möchte ich dringend appellieren, sich keine Meerwasseraquarien anzuschaffen. Viele der im Handel erhältlichen Fischarten und Meerestiere sind Wildfänge und werden dem Ökosystem Meer gestohlen. Selbst bei guter Haltung sind die Tiere ökologisch wertlos! Der Grossteil von ihnen stirbt jedoch bereits beim Fang oder während des Transports. Selbst Arten die theoretisch züchtbar sind werden aus Kosten-/Gewinngründen eher der Natur entnommen. Ein zusätzlicher Stressfaktor, den unsere Ozeane nicht vertragen, denn sie haben derer mehr als genug.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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