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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Glückstaumel

  Wir sind Anne aus Chemnitz und Claudia aus Taucha und haben diesen Sommer 5 Wochen in Kanada verbracht. Von der großen Metropole Vancouver bis zur Wildnis am Cape Scott haben wir vieles auf und um Vancouver Island erkundet. Einige unserer spannendsten und wildesten Erlebnisse möchten wir gern mit euch teilen. Viel Spaß! Wir stehen auf dem Steg des Fishermen’s Wharf in Victoria, British Columbia. Vor uns erklärt Jeff anhand einer großen Karte, wo sich die Objekte der Begierde momentan aufhalten: in den Gewässern der USA, vor San Juan Island. Gleichzeitig rüsten uns zwei junge Damen mit Regenjacken inkl. integrierter Schwimmweste in Größen XL und größer, Regenhosen, Mützen, Sonnenbrillen und Handschuhen aus. Ringsum Touristen, Sonnenschein, Geplauder, Schlangen von Menschen die für Fish and Chips anstehen…und von hier aus soll es also zur nächsten Wildniserfahrung gehen? Jeff, unser Guide, versichert uns, dass wir heute garantiert großartiges erleben werden. Wir tauschen einen zweifelnden Blick aus, aber die Aufregung macht sich trotzdem schon merklich in den Gliedern breit. Wir steigen auf das geräumige Motorboot und verlassen den Hafen von Victoria. Dann gibt Jeff Gas und wir düsen mit hoher Geschwindigkeit und noch höherem Geräuschpegel über das Meer, vorbei an Inseln und großen Schiffen. Spätestens jetzt, so denken wir uns, haben wir sie  verjagt! Der Wind saust uns wild durch die Haare und die See bietet ein friedliches Kontrastprogramm: sie ist glatt und schimmert seidig im Licht des frühen Abends. Plötzlich durchschneidet ein schwarzes Schwert die Wasseroberfläche: nur ein kurzer Augenblick, dann ist es verschwunden. Eine Weile aufgeregte Stille, bevor das nächste laute Prusten sie durchbricht und sie sich wie schwarze glänzende Berge aus dem Wasser erheben: Orcas. Sie tauchen auf, sie tauchen ein, majestätisch gleiten sie durch das Wasser. Ungläubig bestaunen wir die anmutigen Riesen. Wir sind umgeben von rund 35 Schwertwalen, die offensichtlich in Spiel- und Spaßlaune sind. Sie bieten uns eine atemberaubende Show mit Sprüngen und Flossenklatschen. Mit offenen Mündern warten wir jedes Mal gespannt darauf, dass wieder einer der Orcas seine Finne offenbart. Eines der Jungtiere entscheidet sich unter unserem Boot hindurch zu tauchen: nur wenige Zentimeter von uns entfernt taucht es wieder auf. Die Guides erzählen uns einiges über die Lebensweise der Orcas. Eine der Kühe ist bereits 101 Jahre alt! Die Weibchen haben eine längere Lebensdauer, da sie sich all der Giftstoffe, die sie durch das Meerwasser aufnehmen, durch ihre Muttermilch wieder entledigen können – allerdings zum Leidwesen ihrer Kälber. Die Männchen hingegen haben kein Ventil für die schädliche Brühe, die die Menschen ihnen als Lebensraum zurückgelassen haben. Faszinierend ist auch, dass die männlichen Wale echte Muttersöhnchen sind: ein Leben lang bleiben sie vorwiegend bei ihrer Mutter. Nur zur Fortpflanzung verlassen sie sie kurz und werden nur selten als Einzelgänger oder im Verband mit anderen Männchen angetroffen. Ich bin nicht traurig darüber, dass meine Kamera nach einiger Zeit nicht mehr mitspielt. So kann ich dem Drang, alles festzuhalten, entgehen und die überwältigenden Eindrücke einfach pur und nicht durch die Linse gefiltert aufnehmen. Man kann schwer erklären, warum es ein so packendes und intensives Erlebnis ist, diese Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Aber „Glückstaumel“ beschreibt es wohl am besten.

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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    Jahre