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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Indien, wie soll man dich fassen?

Incredible India – Infinite Opportunities
Indien, wie soll man dich fassen?
Es ist vielleicht ein eigener Kosmos an Farbena und Gerüchen, wildem durcheinander und grandiosem Chaos, ein Hupkonzert der Kasten und beißenden Gerüchen, eine Parade trötender Tempelkutschen, wuselnde Nackthunde und dazwischen Kinder, zahllose Kinder. Seit einer Woche bin ich nun im südindischen Chennai, dem viertgrößten Moloch Indiens. Moloch trifft es aber nicht so gut, dennoch liest man es in jedem Buch. Es passt nicht, finde ich. Denn es ist keine alles verschlingende Macht. Es ist mehr ein Ort der Orte, ein organisiertes Chaos, ähnlich einem Ameisenhaufen, dem Zusammentreffen von Menschen in schierer Endlosigkeit an Wandlungen und Wegen, die in verwinkelten Gassen, labyrithisch ewig kein Ende finden. Und Wasser. An einem Ort, wo auf Kreuzungen unzählige Menschen zusammenleben, die ihre Nischen besetzen und wie im urbanen Ökosystem ihr Überleben sichern.
Wüsste man nicht von der rasenden Entwicklung dieser Stadt, könnte man denken, es ginge alles seinen Gang, wie seit vielen Jahrhunderten. Die wuchernden Slums Indiens, die überhaupt nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, stellen jedoch ein großes Problem dar. Durch den nicht abrechenden Strom der Landbevölkerung, die Ihr Auskommen in den Städten sucht, ist kein Ende abzusehen. Auch Luftverschmutzung, Am Meer eine Müllkippe, Überbevölkerung und zahllose andere Problematiken lassen einen erstaunen, ob der Natürlichkeit, Gelassenheit und Freundlichkeit Ihrer Bewohner. Sie kennen es nicht anders.
Wie in allen Metropolen Indiens besteht in Chennai ein großes Maß an sozialer Ungleichheit. Ein beträchtlicher Teil der Stadtbevölkerung lebt unter prekären Bedingungen: Nach der Volkszählung 2001 leben rund 750.000 Einwohner Chennais (18 Prozent der Bevölkerung) in Slums. Gleichwohl ist der Anteil der Slumbevölkerung aber noch deutlich niedriger als in Mumbai (49 Prozent) oder Kolkata (32 Prozent) Wenn man mit dem Vorortzug für 4 Rupien (6 ct) durch die Stadt fährt, sieht man diese Hütten, die auf Müll aus Müll gebaut sind. Dort leben Menschen, deren Alltag so anders sein muss, auch organisiert in Verbänden, dass man Ihn sich kaum vorstellen kann. Regelmäßig werden diese Siedlungen mit einem Bulldozer aus dem Stadtbild getilgt, tauchen wohl aber nach einigen Tagen an selbiger Stelle wieder auf. Meist nah am Wasser gebaut, ist die schäumende Brühe so deutlich sichtbar, dass man sie sogar auf Satellitenbildern erkennen kann.
Ich habe hier auf einem Fusion-Konzert dem Bundesjazzorchesters BUJAZZO und tamilischen Musikern einen Hydrologie-Professor der RWTH Aachen kennengelernt, der mir berichtete, das Chennai von einem Kanal, der 500 km lang ist, versorgt wird. Ein Kanal, eine künstliche Wasserstraße für 8 Millionen Menschen. Vor einigen Jahren wurden, in einer Zeit der Trockenheit die ganze Stadt mit Tankwagen versorgt. Unvorstellbar. Unvorstellbar Indisch.
Aus anderer Quelle weiß ich zu berichten, dass die Bewohner in den Slums, wenn Sie überhaupt eine Wasserstelle besitzen, über Zugang zu einem Anschluss nur alle drei Tage für eine Stunde verfügen können. Wasser ist Leben. Hier aber, scheint auch Leben ohne viel Wasser möglich zu sein. Außer es regnet in Strömen, wie heute. Die Leute schlüpfen in süße Anoraks, die wie in einem Moby-Dick Roman an Seefahrer erinnern. Schwimmen können die wenigsten. Dennoch, um hier zu überleben, reicht es wohl, wenn die Fertigkeiten im Waten ausreichend ausgeprägt sind. Und, zum Schluss: Meine Wäsche wird nicht trocken.
Die allerbesten Grüße, mit einem kleinen Eindruck aus Indien
Karl
Am Marina Beach, Chennai

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  • Hannes Holdermann sagt:

    asf

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