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In der Wildnis liegt die Erhaltung der Welt.
Henry David Thoreau

Zurück in die Realität – Grizzlytour Tag 7

Diesen Morgen haben wir uns alle anders vorgestellt. Zwar wussten wir, dass es zeitlich eng wird, aber dass es so unangenehm werden würde, das dachten wir nicht. Noch im Dunkeln bauen wir die Zelte und das Camp ab. Unser Plan: 5 Leute fahren mit dem Motorboot raus zum Fjord, wo uns das Wassertaxi wieder aufsammelt, 4 Leute lassen sich mit Schlauchbooten den Toba runtertreiben. Das einzige Problem: da der Toba und Little Toba auf Grund des sehr trockenen Sommers einen extrem niedrigen Wasserspiegel haben, können wir mit dem Boot nur auf einer Sandbank an einem im Wasser liegenden Baumstamm anlanden. Also muss nun unser ganzes Zeug durch den 4 Grad kalten Little Toba, der uns teilweise bis zur Brust steht, zum Boot getragen werden. Eine eisige Angelegenheit. Es regnet, und auch draußen ist es nicht sehr warm. Über das Motorboot pfeift ein kalter Wind. Auf halbem Wege kreuzen wir die Leute im Schlauchboot, die die Stille und die atemberaubende Atmosphäre genießen, während sie langsam Richtung Zivilisation treiben.
Zwar haben wir keine Bären gesehen, da wir dafür einfach zu früh waren, aber wir haben extrem viele Spuren und Hinweise gefunden, dass die Bären hier leben und wir mitten zwischen ihnen waren. Und noch etwas wird deutlich: wir verändern hier draußen unser Verhalten. Nicht nur, weil wir in der Heimat wilder Tiere wie Grizzlies, Pumas und Wölfe sind, sondern auch, weil wir hier schutzlos der Rauheit der Natur ausgesetzt sind. Keine Häuser bieten Schutz vor Regen oder Sturm, wir müssen lernen hier draußen zu überleben.
Und auch wenn wir keinen Bären gesehen haben, so ist doch das Erlebnis ein einmaliges gewesen.
Und in dem Moment, wo wir um die letzte Kurve des Toba Tals fahren, da huscht auf einmal von der Sandbank am Ufer ein kleiner Grizzly in den Wald. Nur wenige Sekunden kann man ihn sehen und Zeit für ein Foto ist auch nicht, aber: wir haben ihn gesehen. Einen besseren Abschluss der Tour kann es wohl kaum geben.
Mit dem Wassertaxi geht es zurück nach Campbell River, von da nach Nanaimo, mit der Fähre nach Vancouver und ab in die Unterkunft. Der Großteil der Gruppe duscht und fällt schon fast direkt ins Bett, während ein paar sich noch Richtung East Vancouver auf den Weg machen, wo ein Freund von Joschi eine Bar hat. So schnell kann es gehen: von der absoluten Wildnis zurück in die Realität des Lebens der Großstadt.

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